US-Arbeitsmarkt schwächelt: Erwartungen und Auswirkungen rund um den September-Bericht 2025

US-Arbeitsmarkt schwächelt: Erwartungen und Auswirkungen rund um den September-Bericht 2025

Lässt der US-Arbeitsmarkt nach Monaten des Wachstums nun spürbar nach? Analysten blicken gespannt auf die heutige, wegen des Government Shutdowns verzögert veröffentlichte Statistik: Im September wird lediglich mit 50.000 neuen Stellen außerhalb der Landwirtschaft gerechnet. Zum Vergleich: Noch im August waren es 22.000, zuvor kam es sogar zu einem Nettoabbau. Während Technologiewerte wie Microsoft, Google und Apple in den letzten Wochen seitwärts tendierten, könnten Bankenaktien unter dem weiterhin schwachen Stellenaufbau leiden. Doch ist das wirklich ein Signal zur Panik – oder schlicht ein notwendiges Innehalten? Welche Chancen ergeben sich jetzt für Anleger?

Der Stand des US-Arbeitsmarktes – Zahlen, Fakten, Unsicherheiten

Marktstrategen und Ökonomen sind sich einig: Die Arbeitsmarktdynamik hat nachgelassen. Von Dow Jones Newswires befragte Experten prognostizieren für September einen Zuwachs von 50.000 Stellen, während der Schnitt der letzten Monate darunter lag. Bemerkenswert: Der ADP-Report für den Privatsektor meldete im selben Zeitraum sogar einen Arbeitsplatzabbau von 32.000 – ein Warnsignal für einen möglicherweise tieferen strukturellen Wandel.

Die Arbeitslosenquote soll nach Einschätzung fast aller Experten stabil bei 4,3 Prozent verharren. Zugleich steigen die durchschnittlichen Stundenlöhne gemäß den Prognosen um 0,3 Prozent, was auf ein jährliches Lohnwachstum von 4,7 Prozent hinausläuft. Die leicht abflauende Inflation (3,0 Prozent im September, nach 2,9 Prozent zuvor) nährt Spekulationen über eine baldige Zinssenkung durch die Fed – inzwischen preist der Markt die Wahrscheinlichkeit auf rund 50 Prozent für Dezember ein [siehe auch Mitrade].

Neue Impulse aus den Daten: Divergenzen, Risiken und Chancen

  • Widersprüchliche Indikatoren: Während offizielle Behörden einen moderaten Stellenaufbau melden, zeigte der ADP-Report erneut Jobverluste. Gleichzeitig legte die Zahl offener Stellen zum Monatsende leicht zu – ein Indiz, dass einige Branchen weiterhin händeringend Personal suchen.
  • Shutdown-Effekte und Datenlage: Der diesjährige, historisch lange Government Shutdown hat die zeitgerechte Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten erschwert. Auch Folgeerhebungen für Oktober fielen aus. Dies sorgt für Unsicherheiten bei Entscheidern und Investoren.
  • Wechsel der Fed-Perspektive: Die US-Notenbank Fed gewichtet das Mandat „maximale Beschäftigung“ seit einigen Monaten deutlich höher. Nach der ersten Zinssenkung seit über einem Jahr bleibt das weitere Vorgehen auch angesichts der Inflationsdynamik weiterhin offen. Davon profitieren Technologiewerte und defensivere Konsumwerte – Banken dagegen leiden oft unter niedrigen Margen.

Diskussionen um Ursachen: Konjunktur, Zuwanderung, Politik

Was steckt hinter der abnehmenden Dynamik? Neben schwächerer Konjunktur werden auch externe Faktoren wie entschleunigte Zuwanderung oder die unsichere US-Handelspolitik genannt. Die Chicago Fed betonte Ende der letzten Woche, dass viele Indikatoren nach wie vor gegen einen klassischen Abschwung sprechen. Stattdessen handelt es sich laut Experten um einen vorübergehenden Arbeitsmarkt-Stillstand, der auch von erhöhten Unsicherheiten rund um Zölle, die Haushaltslage und staatliche Interventionen beeinflusst wird [ausführlich bei FTD].

Positiv zu bewerten: Der Anstieg der offenen Stellen sowie das nach wie vor kräftige Lohnwachstum dämpfen Rezessionsängste. Die Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen zeigt aber, dass der Vertrauensschwund in der Wirtschaft Ausgangspunkt für eine vorsichtige Haltung bei Investitionen werden könnte.

Schlussfolgerungen für Anleger: Welche Aktien profitieren, welche eher nicht?

  • Empfohlene Käufe: Technologieaktien (wie Microsoft, Nvidia, Alphabet) punkten durch Innovation und strukturelles Wachstum – auch bei makroökonomischer Unsicherheit. Defensive Konsumtitel (z.B. Procter & Gamble, Walmart) bieten Stabilität in volatilen Marktphasen.
  • Halten oder abwarten: Energie- und Industrieaktien (etwa ExxonMobil, Siemens) – abhängig vom globalen Wachstumstrend. Hier warten viele Analysten auf ein klareres Signal seitens der Konjunktur.
  • Vorsicht oder Verkauf: Banken und Versicherungen (wie JPMorgan, Bank of America, AIG) sowie zyklische Konsumwerte leiden unter flacher Zinskurve und drohender Verbraucherschwäche.

Für die Gesamtwirtschaft bieten moderatere Arbeitsmarktzahlen kurzfristig mehr Chancen als Risiken, weil sie die Inflation dämpfen und Zinssenkungen erleichtern könnten. Längerfristig aber ist ein zu deutlicher Stellenrückgang ein Frühwarnsignal für eine drohende Wachstumsabschwächung – Branchen wie Hightech, Bildung und Gesundheitswesen sind meist widerstandsfähiger.

Anleger sollten auf Diversifikation achten – defensive Sektoren und Innovationswerte bleiben Mittel der Wahl. Die nächsten Monate werden geprägt sein von Unsicherheit: Eine nachhaltige Entspannung ist erst bei klarer Beschäftigungswachstumswende oder datengetriebener geldpolitischer Lockerung zu erwarten. Bis dahin sollten Anleger insbesondere US-Großbanken eher meiden, während Technologie und Konsum weiterhin profitieren dürften.

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