Rekord-Investitionen in Quantencomputing: Europäische Unternehmen steigen mit Milliarden ein
Rekordbeträge fließen derzeit von europäischen Unternehmen und Regierungen in das Quantencomputing – ein Markt, der Schätzungen zufolge innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Vielfaches seines heutigen Werts erreichen wird. Das Investitionsvolumen allein in der EU hat laut aktuellen Angaben der Handelszeitung und anderen Branchenportalen die Schwelle von 11 Milliarden Euro überschritten, wobei strategische Programme wie der neue Scaleup Europe Fund gezielt innovative Schwergewichte wie IQM Quantum Computers (Finnland), PASQAL (Frankreich) oder den deutschen Branchenführer Quantagonia adressieren. Im Fokus stehen Unternehmen, die nicht nur in Hardware, sondern zunehmend in die Kommerzialisierung von Anwendungen, Infrastruktur und Sensing investieren. Für Anleger stellt sich die Frage: Wer profitiert? Aktien von Chip- und Quanten-Hardware-Unternehmen dürften gewinnen, während etablierte reine Softwarehäuser kurzfristig ins Hintertreffen geraten könnten.
Europas neue Quantenstrategie: Milliarden für Technologieführerschaft
Seit dem Sommer 2025 fährt die EU mit ihrer Quantum Europe Strategy einen historisch einmaligen Kurs: Im Rahmen der EuroHPC-Programme und durch die Kooperation mit nationalen Fördermitteln entstehen sechs neue Quanten-Pilotlinien, die erstmals die Vorserienfertigung und Industrialisierung von Quantenchips in Europa ermöglichen werden. Besonders strategisch ist die Integration von Forschung und Industrie, damit Know-how nicht mehr in Fragmentierung und Kleinteiligkeit verpufft. Ziel ist es, spätestens 2030 bei Quantenkomponenten eine globale Führungsrolle zu erreichen – und die Fehler bei Halbleitern und KI nicht zu wiederholen.
- Aufbau europaweiter Hybridplattformen, die Quanten- mit klassischer HPC-Rechenleistung (Supercomputernetzwerke) verzahnen
- Erweiterte Innovationsförderungen und gezielte Start-up-Finanzierung über öffentliche und privatwirtschaftliche Fonds
- Vorbereitung auf die rechtliche Implementierung des European Quantum Act (Start 2026)
Erste Marktimpulse und industrielle Anwendungen
Die neuen Investitionen fließen nicht mehr überwiegend in Grundlagenforschung, sondern gezielt in industrielle Wertschöpfung: Insbesondere Sektoren wie Gesundheit (beispielhaft das paneuropäische Projekt für Quanten-MRT), Logistik (optimierte Routenplanung) und Sicherheit profitieren. Das Pilotprojekt für Quantensensoren startet europaweit 2025, während die Markteinführung der ersten Quantenchips auf Basis europäischer Wertschöpfung angekündigt ist. Unternehmen wie PASQAL und IQM schließen hochdotierte Lieferverträge mit Industriegiganten ab. Überdies werden Quantum-Key-Distribution-Netze und satellitenbasierte Verschlüsselung (Start „Eagle 1“-Satellit 2026) vorbereitet, was neue Umsatzpotenziale in der Cybersicherheit erschließt.
Skalierung und Arbeitsmärkte
Mit der neuen Strategie entstehen zahlreiche Initiativen zur Qualifikation und Weiterbildung. Ab 2026 werden europaweit Quantum Competence Cluster und eine Quantum Skills Academy eingerichtet, um dem enormen Bedarf an Spezialisten nachzukommen. Damit vernetzt die EU Unternehmen, Forschung und Bildungseinrichtungen, um nicht nur die Entwicklung neuer Produkte, sondern auch die schnelle Marktdiffusion zu sichern.
Handels- und Finanzierungsbeispiele
Großbritannien bleibt als Outsider weiterhin am Ball, investiert aber im Vergleich zum Kontinent deutlich weniger – trotz einzelner Leuchtturmprojekte. Bei den kontinentaleuropäischen börsennotierten Firmen rücken etablierte Zulieferer wie Atos, Siemens, Zeiss, aber auch spezialisierte Scale-ups ins Rampenlicht. Die Zahl der Fusionen, strategischen Förderprojekte und IPO-Pläne nimmt markant zu.
Stolpersteine und globale Konkurrenz
Obwohl Europas Quantentechnologie massive Sprünge macht, bleibt das Handelsblatt bei einem kritischen Blick: Nur 5 % des weltweiten Privatkapitals fließen nach wie vor in europäische Quantum-Start-ups, über die Hälfte davon in US-basierte Unternehmen. Das Risiko besteht darin, dass trotz kräftiger Förderung die größte Wertschöpfung weiterhin zu langsam skaliert oder sich politische Kompromisse bei der Auftragsvergabe als Innovationsbremse erweisen könnten.
- Finanzierungsdruck auf kleine Anbieter wächst
- Fachkräftemangel und hohe Produktionskosten könnten die Kommerzialisierung verzögern
- Globale Regulierung und Interoperabilität bleiben eine Herausforderung
Empfehlungen für Anleger: Aktien und Märkte im Fokus
Für Anleger zeichnet sich eine klare Trennung in Gewinner und Wackelkandidaten ab:
- Kaufen: Aktien von Quanten-Hardware-Unternehmen und Infrastruktur-Zulieferern wie IQM, PASQAL, Zeiss, sowie Zulieferer aus dem Bereich photonischer Komponenten
- Halten: Large Caps aus IT und Telekom, die in Pilotprojekte eingebunden sind (etwa Siemens, Atos), aber hohe F&E-Kosten schultern müssen
- Verkaufen: Unternehmen mit rein klassischer IT-Ausrichtung oder ohne Quanten-Fähigkeiten, da ihnen mittelfristig Marktanteile entgleiten
Chancen und Risiken für die europäische Wirtschaft
Zu den größten Vorteilen zählen:
- Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Industrie durch neue datengetriebene Geschäftsmodelle
- Erhöhung der Versorgungssicherheit durch europäische Eigenproduktion und Unabhängigkeit von US/Asien
- Mehr Innovation etwa bei Medikamentenentwicklung, Materialforschung und industrieller Steuerung
Risiken sind unter anderem hohe Markteintrittsschwellen, mögliche Fehlinvestitionen bei zu starker Zentralisierung und die Gefahr von Fachkräftemangel.
Ausblick: Was ist bis 2030 zu erwarten?
Die kompromisslose Koordination der EU in der Quantum-Technologie dürfte mittelfristig dazu führen, dass Europa vom „late follower“ zum Schrittmacher in ausgewählten Sparten wird. Bis 2030 sollten die ersten europäischen Quantencomputer mit industrieller Tauglichkeit marktreif sein, Kommunikations- und Verschlüsselungsdienste auf Quantenbasis werden neue Standards setzen. Die Rolle Europas wird maßgeblich davon abhängen, wie konsequent Förderprogramme und regulatorische Rahmenbedingungen umgesetzt werden. Alte Marktgrenzen zwischen Tech, Industrie und Dienstleistungen werden zunehmend verschwimmen.
Investoren sollten daher konsequent in Infrastruktur- und Deep-Tech-Aktien mit Quantenbezug investieren, bei klassischen Softwarehäusern aber zunehmende Vorsicht walten lassen. Für die Wirtschaft bedeutet das: Wer jetzt einsteigt, profitiert doppelt – sowohl von direktem Wachstum als auch von Vorteilen beim Zugang zu digitalen Schlüsselinfrastrukturen.



Kommentar abschicken