Agrarsektor unter Druck: Wie Gewinnstagnation und Preisverfall die deutsche Landwirtschaft umkrempeln – und welche Aktien jetzt spannend sind

Agrarsektor unter Druck: Wie Gewinnstagnation und Preisverfall die deutsche Landwirtschaft umkrempeln – und welche Aktien jetzt spannend sind

Sinkende Erzeugerpreise bei Getreide, Milch und Fleisch, stagnierende oder sogar fallende Gewinne und gleichzeitig hohe Kosten für Energie, Löhne und Umweltauflagen: Die deutsche Landwirtschaft steckt in einer massiven wirtschaftlichen Stressphase. Während der Verbraucher im Supermarkt nur begrenzt von niedrigeren Erzeugerpreisen profitiert, geraten vor allem mittelgroße Familienbetriebe unter Liquiditätsdruck. Für Anleger stellt sich die Frage: Wer profitiert von diesem Strukturwandel – Agrarhändler, Lebensmittelkonzerne, Landtechnikhersteller – und welche Aktien geraten jetzt strukturell ins Hintertreffen?

Im Kern lässt sich bereits absehen, dass Aktien aus dem Bereich Agrarhandel und -logistik sowie Landtechnik und Präzisionslandwirtschaft tendenziell zu den Gewinnern zählen dürften, während stark auf inländische Rohmilch- oder Schlachtviehproduktion fokussierte Unternehmen und wenig diversifizierte Genossenschaften eher als Halte- oder sogar Verkaufskandidaten einzuordnen sind. Hinzu kommt: Die Politik versucht mit gezielten Entlastungen – etwa über die Agrardieselrückvergütung – die wirtschaftliche Erosion zu verlangsamen, kann die grundlegenden Marktkräfte aber nicht aushebeln.

Strukturelle Ertragskrise: Warum viele deutsche Betriebe trotz Arbeit am Limit kaum Geld verdienen

In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Belastungsfaktoren überlagert: internationale Überproduktion in wichtigen Segmenten, schwächere Nachfrage in einigen Exportmärkten, hohe Zinskosten nach der Zinswende sowie steigende Auflagen für Klima-, Umwelt- und Tierschutz. Gleichzeitig stehen Landwirte in Deutschland im Wettbewerb mit Produzenten aus Osteuropa und Übersee, deren Kostenbasis deutlich niedriger ist.

Ein zentrales Thema ist der Preisverfall bei Agrarrohstoffen im Vergleich zum Kostenanstieg auf der Inputseite. Nach den Preisspitzen der Jahre 2021/2022 – etwa infolge des Ukraine-Krieges – haben sich die Weltmarktpreise für Getreide und Ölsaaten deutlich normalisiert oder sind sogar spürbar gefallen. Düngemittel, Energie und Löhne sind dagegen auf einem erhöhten Niveau geblieben. Die Marge auf Betriebsebene schrumpft.

Mehrere Branchenverbände berichten, dass viele Betriebe in den letzten Saisons nur noch knapp kostendeckend arbeiten und die Investitionsbereitschaft massiv zurückgegangen ist. Neue Ställe, Melkroboter oder Precision-Farming-Technik werden verschoben, weil Banken vorsichtiger geworden sind und die Eigenkapitaldecken dünn sind. Das verstärkt den Modernisierungsstau – und damit den Wettbewerbsnachteil, insbesondere gegenüber hoch mechanisierten Betrieben in den USA und Teilen Südamerikas.

Politische Reaktion: Agrardieselrückvergütung, Haushaltsdebatten und der Versuch, Liquidität zu sichern

Die Politik hat in den vergangenen Monaten erkannt, dass ein weiterer wirtschaftlicher Druckanstieg die existenzielle Lage vieler Betriebe eskalieren könnte und versucht, mit fiskalischen Entlastungen gegenzusteuern. Besonders prominent: die Rolle des Agrardiesels.

Laut einem aktuellen Beschluss der Bundesregierung wird ab 2026 die volle Agrardieselrückvergütung von 21,48 Cent je Liter wieder eingeführt.[1] Diese Maßnahme bedeutet laut Bundesfinanzministerium eine Entlastung von rund 430 Millionen Euro pro Jahr für Land- und Forstwirte.[1] Der volle Steuersatz auf Diesel beträgt derzeit 47,04 Cent pro Liter; bis Anfang 2024 erhielten Betriebe eine Rückvergütung von 21,48 Cent pro Liter, die danach schrittweise abgesenkt wurde – auf 12,888 Cent im Jahr 2024 und 6,444 Cent im Jahr 2025.[1] Ab 2026 soll der ursprüngliche Satz wieder gelten.[1] Ein durchschnittlicher Betrieb spart dadurch im Mittel knapp 2.800 Euro pro Jahr, abhängig von Bewirtschaftungsform und Dieselverbrauch.[1]

Parallel dazu sendet der Bund im Haushalt 2026 weitere Entlastungssignale für die Land- und Forstwirtschaft. Laut Unionsfraktion im Bundestag umfasst das Paket neben der vollständigen Wiedereinführung der Agrardieselrückerstattung auch eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie, zusätzliche Mittel für die landwirtschaftliche Unfallversicherung sowie die Rücknahme geplanter Kürzungen im Bereich Ackerbau und ökologische Landwirtschaft.[2] Zudem sollen eine Ombudsperson für faire Erzeugerpreise und Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung eingeführt werden.[2]

Der Agrarhaushalt 2026 selbst wird auf rund 7 Milliarden Euro beziffert.[3] Der Deutsche Bauernverband reagiert laut Branchenberichten zwiespältig: Einerseits begrüßt er die Rücknahme von Kürzungen und die Dieselentlastung, andererseits kritisiert er, dass die Unterstützung angesichts der strukturellen Erlöskrise im Markt nicht ausreiche, um die Wettbewerbsfähigkeit breiter Schichten der Betriebe dauerhaft zu sichern.[3] Auch die im Haushalt 2026 ausgebrachten Verpflichtungsermächtigungen – rund 1,55 Milliarden Euro – steigen nur leicht gegenüber dem Vorjahr.[4]

Neue Wissenspunkte: Drei zentrale Entwicklungen, die häufig unterschätzt werden

Über die genannten Maßnahmen hinaus zeichnen sich mehrere Trends ab, die für Anleger besonders wichtig sind und in der öffentlichen Debatte noch zu wenig Beachtung finden:

  • 1. Verschiebung der Verhandlungsmacht in der Wertschöpfungskette
    Die Macht verschiebt sich weiter von den Primärproduzenten hin zu Lebensmitteleinzelhandel, Markenherstellern und globalen Agrarhändlern. Während Landwirte kleinteilig und regional fragmentiert sind, konzentriert sich der Lebensmitteleinzelhandel auf wenige große Ketten mit enormer Einkaufsmacht. Das erhöht den Druck auf Erzeugerpreise und zwingt die Landwirtschaft, entweder über Kostensenkung oder Differenzierung (Bio, Regionalität, Spezialkulturen) zu reagieren. Für börsennotierte Lebensmittel- und Handelskonzerne bedeutet das strukturell eher stabile oder steigende Margen, sofern sie Einkaufsvorteile realisieren können.
  • 2. De-facto-Digitalisierungsschub durch Kostendruck
    Aus Kostengründen werden digitale Lösungen – Farm-Management-Software, Drohnen, Sensorik, KI-gestützte Ertragsprognosen – schneller als noch vor wenigen Jahren in die Fläche kommen. Für viele Betriebe ist die Frage nicht mehr ob, sondern wann sie in Präzisionslandwirtschaft investieren. Das öffnet ein Wachstumsfeld für Anbieter von Agrarsoftware, Sensorik und KI‑basierten Analyselösungen. Die Logik ähnelt derjenigen, die in Artikeln wie Wie KI bis 2026 Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Aktienmärkte neu ordnet für die Gesamtwirtschaft beschrieben wird – nur auf die Agrarwertschöpfungskette übertragen.
  • 3. Exportorientierung trifft auf geopolitische Fragmentierung
    Die deutsche und europäische Landwirtschaft ist in vielen Teilsegmenten exportabhängig – etwa bei Milchprodukten, Schweinefleisch und bestimmten Getreiden. Gleichzeitig verändern geopolitische Spannungen, neue Freihandelsabkommen und Nachhaltigkeitsstandards die Spielregeln. Abkommen wie das EU‑Mercosur‑Freihandelsabkommen, das in Beiträgen wie EU‑Mercosur-Freihandelsabkommen: Welche Chancen jetzt für deutsche Auto-, Maschinenbau- und Chemieaktien entstehen diskutiert wird, können Wettbewerbsdruck durch billige Importe aus Südamerika erhöhen, während gleichzeitig neue Exportchancen für hochwertige europäische Produkte entstehen. Für einzelne Wertschöpfungsstufen kann das zum Gamechanger werden.

Gewinnstagnation im Detail: Segmentanalyse von Ackerbau, Milch, Fleisch und Sonderkulturen

Die Gewinnstagnation trifft nicht alle Bereiche gleich stark. Für Anleger ist entscheidend, welche Segmente strukturell unter Druck stehen und wo sich trotz niedriger Erzeugerpreise Nischen mit Preissetzungsmacht bilden.

Ackerbau: Getreide, Raps, Mais

Im Ackerbau hat die Normalisierung der Weltmarktpreise nach den Krisenjahren direkte Spuren in den Betriebsergebnissen hinterlassen. Viele Betriebe hatten 2022/23 von hohen Getreidepreisen profitiert, mussten aber mit stark gestiegenen Energie- und Düngemittelkosten leben. 2024 und 2025 kehren die Erzeugerpreise in eine Spanne zurück, die eher dem langjährigen Durchschnitt entspricht, während die Kosten erhöhte Plateaus halten. Das drückt die Deckungsbeiträge.

Für Unternehmen, die an internationalen Getreidehandel, Silologistik oder Agrarfinanzierung hängen, muss das kein Nachteil sein – Volumen bleibt hoch, und Margen können über Logistik- und Servicegebühren gesichert werden. Für reinen Ackerbau ohne Weiterverarbeitung oder Direktvermarktung gilt hingegen: Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt, Investitionsstau droht sich zu verfestigen.

Milch- und Fleischproduktion: Überkapazitäten und höhere Auflagen

Die Milch- und Fleischbranche steht in Deutschland unter doppeltem Druck: Einerseits haben Nachfrageverschiebungen (mehr pflanzliche Alternativen, veränderte Ernährungsgewohnheiten) die Wachstumsperspektiven gedämpft, andererseits steigen die Anforderungen an Tierwohl, Stalltechnik und Emissionsreduktion. Investitionen in neue Ställe mit höherem Tierwohlstandard sind kapitalintensiv und rechnen sich nur, wenn langfristig höhere Auszahlungspreise erzielt werden können – was im aktuellen Wettbewerbsumfeld oft unsicher ist.

Hinzu kommt: Der Lebensmitteleinzelhandel vermarktet Tierwohl- und Regionalitätslabel offensiv, gibt die Mehrerlöse aber nur begrenzt an die Landwirte weiter. Das verschlechtert das Verhältnis von Risiko und Rendite auf Betriebsebene – und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass kleinere und mittlere Betriebe aussteigen. Für große Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe kann die Marktbereinigung langfristig sogar zu höherer Marktmacht führen, kurzfristig jedoch steigen die Kapazitätsrisiken.

Sonderkulturen, Bio, Direktvermarktung

In einigen Nischen – etwa im Bereich Sonderkulturen (Obst, Gemüse, Kräuter), ökologischer Landbau oder Direktvermarktung – gibt es trotz allgemeinem Druck stabile oder bessere Margen. Hier können Betriebe über regionale Marken, Hofläden, Abokisten oder Online-Vertrieb höhere Wertschöpfungsanteile sichern. Für Anleger sind das interessante, aber meist nicht börsennotierte Geschäftsmodelle oder Teilsegmente größerer Nahrungsmittelkonzerne.

Kapitalmarkt-Perspektive: Wer sind die Gewinner und Verlierer an der Börse?

Die Frage nach konkreten Anlagechancen im Umfeld der Gewinnstagnation ist zweistufig zu beantworten: Zunächst geht es darum, welche Wertschöpfungsstufe strukturell gestärkt oder geschwächt wird, dann um die Auswahl einzelner Titel innerhalb dieser Stufen.

Aktien, die von Preisverfall und Strukturwandel profitieren können (Kaufkandidaten)

Grundsätzlich bieten sich folgende Gruppen als potenzielle Gewinner an:

  • 1. Agrarhandels- und Logistikkonzerne
    Sie profitieren von hohen Handelsvolumina, auch wenn die Preise fallen. Ihre Marge entsteht primär durch Handelsspannen, Logistik, Lagerung und Finanzdienstleistungen. Globale Player können zudem Arbitragevorteile zwischen Regionen nutzen. Diversifizierte internationale Agrarkonzerne sind daher in der aktuellen Phase eher als Kauf einzustufen, sofern ihre Bilanz solide ist und sie nicht zu stark von einem einzelnen Rohstoff abhängen.
  • 2. Anbieter von Landtechnik und Präzisionslandwirtschaft
    Der Kostendruck zwingt Landwirte, produktiver zu werden – was langfristig höhere Nachfrage nach effizienter Landtechnik, Robotik, Sensorik und Software erzeugt. Hersteller, die sowohl klassische Maschinen als auch digitale Services anbieten, können wiederkehrende Umsätze über Daten- und Servicepakete generieren. Solche Titel sind aus Investorensicht klar strukturelle Kaufkandidaten, insbesondere wenn sie sich beim Thema KI-gestützte Entscheidungsunterstützung gut positionieren – eine Entwicklung, die sich mit Blick auf Beiträge wie Künstliche Intelligenz 2026: Produktivitätsschub, Bewertungsrisiken und die Frage, welche Aktien jetzt noch Sinn ergeben abzeichnet.
  • 3. Lebensmittelkonzerne und Handelsketten mit starker Eigenmarke
    Weil der Einkaufspreisdruck auf die Landwirtschaft steigt, können große Lebensmittelhersteller und Handelsketten tendenziell günstigere Einkaufsbedingungen durchsetzen, während Endverbraucherpreise relativ stabil bleiben. Das wirkt margensichernd. Unternehmen mit starker Eigenmarke und hoher Verhandlungsmacht sind daher eher auf der Kauf- bis Halte-Seite zu sehen, sofern die Bewertungen nicht überzogen sind.

Aktien, die eher gehalten oder gemieden werden sollten (Halte- und Verkaufskandidaten)

Demgegenüber stehen Geschäftsmodelle, deren Ertragsmodell kernabhängig von hohen Erzeugerpreisen ist, ohne ausreichende Diversifikation:

  • 1. Stark auf den deutschen Primärsektor fokussierte Verarbeiter
    Unternehmen, die stark von Rohmilch, Schlachtvieh oder Getreide aus Deutschland abhängen und wenig internationale oder vertikale Diversifikation haben, stehen zwischen den Fronten: niedrige Erzeugerpreise, steigende Regulierung und Margendruck durch den Handel. Solche Titel sind eher Halte- bis Verkaufskandidaten, sofern kein klarer Turnaround-Plan erkennbar ist.
  • 2. Genossenschaftlich geprägte Strukturen ohne klaren Kapitalmarkt-Fokus
    Einige genossenschaftliche Verarbeiter und Vermarkter sind zwar wichtig für die Versorgungsketten, bieten aber als börsennotierte Vehikel (sofern vorhanden) oft wenig Wachstumsperspektive und Transparenz. Angesichts der strukturellen Margenprobleme sind diese Werte eher als Halteposition oder, bei Kursstärke, als Verkauf zu betrachten.
  • 3. Spezialisierte Tierhaltungsunternehmen mit hoher politischer Abhängigkeit
    Börsennotierte Unternehmen, die stark auf konventionelle Tierhaltung und Schlachtung in Hochlohnländern setzen, tragen hohe regulatorische Risiken (Tierwohl, Emissionen, Flächenbindung). Solange kein glaubwürdiger Weg zur Transformation in höherwertige Segmente oder alternative Proteine erkennbar ist, sind solche Titel eher Verkaufskandidaten.

Makroökonomische Auswirkungen: Vor- und Nachteile für die deutsche Volkswirtschaft

Die Gewinnstagnation im Agrarsektor hat Implikationen weit über die Landwirtschaft hinaus – sowohl negative als auch positive.

Negative Effekte auf Wirtschaft und ländliche Räume

  • 1. Investitionsschwäche im ländlichen Raum
    Wenn landwirtschaftliche Betriebe ihre Gewinne nicht steigern, reduzieren sie Investitionen in Gebäude, Maschinen und digitale Infrastruktur. Das trifft vor- und nachgelagerte Branchen – vom Landmaschinenhandel über Baufirmen bis hin zu lokalen Dienstleistern – und bremst die regionale Wertschöpfung.
  • 2. Strukturbruch und Betriebsaufgaben
    Langfristig steigende Kosten bei stagnierenden Erlösen erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Betriebsaufgaben. Das kann zu Flächenkonzentration bei wenigen Großbetrieben führen und soziale Spannungen in ländlichen Regionen verstärken. Arbeitsplätze in kleineren Betrieben und der ländlichen Infrastruktur (Handel, Gastronomie) sind gefährdet.
  • 3. Importabhängigkeit und Versorgungssicherheit
    Wenn die heimische Produktion zurückgeht, nimmt die Importabhängigkeit zu. In Krisensituationen oder bei geopolitischen Spannungen kann das die Versorgungssicherheit gefährden oder die Inflation erhöhen, wenn Importpreise steigen.

Potenzielle positive Effekte für Produktivität und Strukturwandel

  • 1. Effizienzsteigerung und technologische Aufrüstung
    Der Kostendruck zwingt Betriebe zur Effizienzsteigerung. Überlebende Betriebe sind tendenziell produktiver, nutzen mehr Technologie und erzielen höhere Erträge pro Arbeitsstunde und Hektar. Das kann langfristig die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.
  • 2. Innovationsschub in Agrartechnik, KI und Biotechnologie
    Die Nachfrage nach Lösungen zur Optimierung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteleinsatz, Ertragssicherung und Arbeitsentlastung treibt Innovationen in Landtechnik, Sensorik, Robotik und KI. Das stärkt industrienahe Sektoren und kann positive Spillovers in andere Branchen auslösen – ähnlich den KI‑Effekten, die in Beiträgen wie Wie KI bis 2026 die Weltwirtschaft und Aktienmärkte umkrempelt beschrieben werden.
  • 3. Höherwertige Wertschöpfung und Markenbildung
    Der Druck auf Massenware fördert den Trend zu höherwertigen Segmenten (Bio, Regional, Premium), in denen mehr Wertschöpfung pro Einheit möglich ist. Das stärkt Markenbildung und Exportchancen für hochwertige Lebensmittel „Made in Germany“.

Ausblick: Wie sich der deutsche Agrarsektor in den nächsten Jahren entwickeln wird

Für die kommenden Jahre lässt sich ein Szenario zeichnen, in dem der deutsche Agrarsektor trotz Gewinnstagnation nicht kollabiert, aber sich stark verändert.

Die wieder eingeführte Agrardieselrückvergütung und der auf rund 7 Milliarden Euro angehobene Agrarhaushalt 2026 wirken wie ein finanzielles Sicherheitsnetz, das Liquidität sichert, aber keine strukturellen Überrenditen garantiert.[1][3] Der Staat bietet Entlastung, nimmt den Betrieben aber nicht die Aufgabe ab, ihr Geschäftsmodell an die Realität niedrigerer Erzeugerpreise und höherer Anforderungen anzupassen.

Wahrscheinlich ist:

  • 1. Fortgesetzte Konsolidierung
    Anzahl der Betriebe wird weiter sinken, durchschnittliche Betriebsgröße steigen. Gewinner sind kapitalstarke Betriebe, die Technologie, Flächen und Direktvermarktung kombinieren.
  • 2. Digitalisierungsschub und KI‑Durchdringung
    Tools für Precision Farming, Ertragssimulation und Ressourcenoptimierung werden Standard. Anbieter dieser Technologien wachsen überproportional und sind für Anleger interessant.
  • 3. Polarisierung der Geschäftsmodelle
    Auf der einen Seite hoch effiziente, technologieintensive Betriebe, auf der anderen Seite Premium- und Nischenanbieter mit hoher Wertschöpfung pro Einheit. Dazwischen liegende, wenig profilierte Betriebe geraten zunehmend unter Druck.
  • 4. Engere Verzahnung mit Industrie und Energie
    Biogas, Agri-PV und Kooperationen mit der Chemie- und Düngemittelindustrie sowie Maschinenbau werden wichtiger. Freihandelsabkommen und geopolitische Verschiebungen bestimmen maßgeblich, ob deutsche Produktion eher als hochwertiges Premiumprodukt oder als Kostenproblem wahrgenommen wird.

Für Anleger ergibt sich daraus ein klares Bild: Aktien von global diversifizierten Agrarhandels- und Logistikunternehmen, Anbietern von Landtechnik, Präzisionslandwirtschaft und agrarbezogener KI‑Software sind in der aktuellen Phase strukturelle Kaufkandidaten. Titel stark regulierungsabhängiger, wenig diversifizierter Fleisch- und Milchverarbeiter mit Fokus auf den deutschen Markt gehören eher auf die Halte- oder Verkaufsseite, solange kein Transformationspfad in höherwertige Segmente oder alternative Proteine erkennbar ist. Für die Gesamtwirtschaft bedeutet die aktuelle Gewinnstagnation kurzfristig Belastung und Investitionsschwäche im ländlichen Raum, mittel- bis langfristig aber die Chance auf einen produktiveren, technologisch fortschrittlicheren Agrarsektor, der besser in globale Wertschöpfungsketten eingebettet ist.

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