Trump hebt US-Klimaschutzfeststellung auf: Massive Deregulierung gefährdet Dekaden von Umweltschutz und spaltet die Wirtschaft
Die Trump-Administration hat am 13. Februar 2026 eine der weitreichendsten Deregulierungsmaßnahmen der US-Geschichte vollzogen: die Aufhebung des „Endangerment Finding“, einer wissenschaftlichen Feststellung der EPA aus dem Jahr 2009, wonach Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan die öffentliche Gesundheit und das Wohlergehen der amerikanischen Bevölkerung gefährden.[1] Diese Entscheidung markiert einen historischen Bruch mit der US-Klimapolitik und spaltet die Wirtschaft in Profiteure und Verlierer – während Kohle-, Öl- und Automobilunternehmen jubeln, mobilisieren sich Umweltorganisationen und mehrere US-Bundesstaaten für Gerichtsklagen.
Das „Endangerment Finding“: Das Fundament der US-Klimapolitik fällt
Das „Endangerment Finding“ war mehr als nur eine wissenschaftliche Einschätzung – es war das Fundament der gesamten modernen US-Klimapolitik. 2009 hatte die EPA diese Feststellung auf Basis zahlreicher wissenschaftlicher Studien unterzeichnet und damit sechs Treibhausgase als Luftverschmutzung und Gesundheitsgefährdung eingestuft. Diese Einstufung bildete die rechtliche Grundlage für den Clean Air Act, der wiederum eine Cascade von Regulierungen nach sich zog.[1][2]
Mit der Aufhebung dieses „Endangerment Finding“ hat Trump nicht nur eine einzelne Regel kassiert – er hat die juristische Grundlage für Flottengrenzwerte in der Automobilindustrie, Emissionsvorgaben für Kohle- und Gaskraftwerke sowie zahlreiche weitere Umweltschutzmaßnahmen zum Einsturz gebracht. EPA-Chef Lee Zeldin bezeichnete die Entscheidung als „die größte Deregulierungsmaßnahme in der Geschichte Amerikas“, während Trump die Maßnahme als Befreiung der Wirtschaft von „lächerlichen und inakzeptablen“ Auflagen seines Vorgängers Joe Biden darstellte.[1]
Doch die Realität ist komplexer: Während die Automobilindustrie zunächst jubelte – Ford-CEO Jim Farley stand neben Trump bei der Ankündigung und versprach „erschwinglichere“ Fahrzeuge – zeigt sich schnell, dass diese vermeintliche Befreiung für manche Branchen zu erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten führt. Die Aufhebung der Emissionshandelsregelungen ab 2028 und die Lockerung von Treibstoffverbrauchsvorgaben ab 2028 werden ganz konkrete Marktfolgen haben.
Gewinner und Verlierer: Wie die Deregulierung die Wirtschaft spaltet
Die unmittelbaren Profiteure dieser Entscheidung sind offensichtlich: Die fossile Energiewirtschaft, insbesondere Kohle-, Öl- und Gasindustrie, können mit deutlich geringeren Compliance-Kosten rechnen. Auch die klassische Automobilindustrie spart Entwicklungskosten für emissionsarme Technologien ein. Zugleich werden Hersteller von Elektrofahrzeugen und erneuerbaren Energietechnologien unter Druck geraten, da die regulatorische Unterstützung wegfällt.
Allerdings birgt diese vermeintliche Befreiung erhebliche wirtschaftliche Risiken:
- Klimabedingte Extremwetterereignisse werden häufiger und teurer. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom warnte vor „mehr tödlichen Waldbränden, mehr Toten aufgrund extremer Hitze, und mehr klimabedingten Überflutungen und Dürren“, die wiederum zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden in Versicherungen, Infrastruktur und Landwirtschaft führen.[4]
- Internationale Wettbewerbsnachteile: Während die USA Emissionsstandards abbauen, verschärfen andere Länder und die EU ihre Klimavorgaben. Dies könnte US-Unternehmen beim Export in strengere Märkte benachteiligen.
- Investitionsunsicherheit bei Unternehmen, die bereits in grüne Technologien investiert haben und nun mit unsicheren regulatorischen Rahmenbedingungen rechnen müssen.
Die rechtliche Gegenoffensive: Bundesstaaten und NGOs kündigen Klagen an
Die Entscheidung bleibt nicht unwidersprochen. Das Natural Resources Defense Council (NRDC) und weitere Umweltorganisationen haben unmittelbar angekündigt, vor Gericht gegen die Aufhebung zu klagen. Ihre Argument stützt sich auf ein bahnbrechendes Urteil von 2007, das der EPA die Aufgabe zugewiesen hatte, Treibhausgase zu regulieren. Der NRDC argumentiert, dass der jetzige Widerruf „jeglicher wissenschaftlichen Evidenz entbehrt“.[4]
Besonders bedeutsam ist die Mobilisierung auf Bundesstaatsebene: Kalifornien, historisch ein Vorreiter bei Umweltschutzmaßnahmen, hat bereits Gegenmaßnahmen signalisiert. Dies könnte zu einem fragmentierten Markt führen, in dem einzelne Bundesstaaten eigene Emissionsstandards beibehalten – ein Szenario, das für die Automobilindustrie erhebliche Compliance-Kosten bedeutet.[2][3]
Der Supreme Court hatte in der Vergangenheit Versuche, den Clean Air Act zu beschneiden, abgelehnt. Dies gibt Klägern Hoffnung, dass die jetzige Entscheidung nicht dauerhaft Bestand hat. Allerdings hat sich die Zusammensetzung des Supreme Court verändert, was die juristische Lage unberechenbarer macht.
Konkrete wirtschaftliche Folgen: Automatoren, Energieversorger und Zulieferer unter Druck
Während Trump und Lee Zeldin die Entscheidung als „Befreiung“ feiern, zeigen sich bei genauerer Betrachtung erhebliche wirtschaftliche Komplikationen:
- Automobilhersteller: Die kurzfristige Erleichterung durch wegfallende Entwicklungskosten wird durch langfristige Unsicherheiten aufgewogen. Investitionen in Elektromobilität – bereits getätigt von Ford, General Motors und Tesla – müssen neu bewertet werden. Zugleich erhöht die Rückkehr zu emissionsintensiveren Fahrzeugen den Bedarf an Rohöl, was traditionelle Energieversorger begünstigen könnte.
- Zulieferer-Industrie: Unternehmen, die Batterie- und Elektromobilitäts-Komponenten herstellen, müssen ihre Geschäftsmodelle überdenken. Gleichzeitig profitieren Zulieferer von Verbrennungsmotoren kurzfristig von erneuerter Nachfrage.
- Versicherungswirtschaft: Mit steigenden klimabedingten Extremwetterereignissen rechnen Versicherer mit erheblichen Schäden. Große Versicherungskonzerne könnten ihre Prämien erhöhen oder sich aus besonders gefährdeten Regionen zurückziehen.
- Erneuerbare Energien: Die Trump-Administration hat bereits angekündigt, den Windenergie-Ausbau zu bremsen. Hersteller von Windkraftanlagen und Solarmodulen verlieren Marktanteile, während Kohle- und Gaskraftwerke wieder an Relevanz gewinnen.
Aktienmärkte reagieren: Wer profitiert, wer verliert?
Die Deregulierung zeichnet ein klares Gewinner-Verlierer-Szenario ab:
Zu kaufen / Halten:
- Kohle- und Öl-Unternehmen: Peabody Energy, Arch Resources und ConocoPhillips profitieren direkt von weniger strenger Regulierung. Ein Anstieg der Nachfrage ist wahrscheinlich.
- Klassische Automobilhersteller (General Motors, Ford, Stellantis): Kurzfristig entlastet durch niedrigere Entwicklungskosten, sofern keine Bundesstaaten-Fragmentierung eintritt.
- Energieversorger mit Gas-/Kohlemix: Duke Energy, Southern Company und ähnliche Konzerne sollten von erhöhter Nachfrage profitieren.
- Versicherungskonzerne mit diversifizierten Portfolios, die Prämiensteigerungen durchsetzen können.
Zu meiden / Verkaufen:
- Tesla und reine Elektrofahrzeug-Hersteller: Die Wegfall von Kaufanreizen und die sinkende regulatorische Verpflichtung für Elektromobilität gefährden das Geschäftsmodell. Allerdings bleibt Tesla durch seine technologische Überlegenheit relativ sicher.
- Hersteller von Windkraftanlagen (Vestas, Siemens Gamesa): Mit der Bremsur des Windenergie-Ausbaus sinkt die Nachfrage deutlich.
- Solarenergie-Unternehmen mit hohem Umsatzanteil auf dem US-Markt (First Solar, Sunrun).
- Reine ESG-fokussierte Fonds und grüne Energieinvestments verlieren an Attraktivität.
Die globalen Konsequenzen: Amerika verliert seine Klimapolitik-Führungsrolle
Die Entscheidung bedeutet nicht nur eine nationale Deregulierung – sie signalisiert global einen Wendepunkt. Die USA, lange Zeit Vorreiter bei technologischen Standards, treten aus dem Pariser Klimaabkommen aus und drehen ihre Klimapolitik um Jahrzehnte zurück. Dies hat erhebliche geopolitische und wirtschaftliche Folgen:
- Wettbewerbsnachteil bei grünen Technologien: Während US-Unternehmen Innovationen in erneuerbaren Energien zurückfahren, investieren China und Europa massiv. Dies wird zu einer Umverteilung von Technologie-Leadership und Marktanteilen führen.
- Fragmentierter Automobilmarkt: Bundesstaaten wie Kalifornien werden eigene Emissionsstandards durchsetzen, was zu zwei Märkten in den USA führt – ein Zustand, der für Hersteller teuer ist.
- Risiko von Handelskonflikten: Die EU und andere Regionen könnten verstärkt US-Produkte mit Zöllen belegen, die nicht ihre Umweltstandards erfüllen.
Was ist in Zukunft zu erwarten?
Die Trump-Administration wird ihre Deregulierungspolitik weiter ausbauen. Bereits angekündigt sind die Aufhebung des Emissionshandels ab 2028 und weitere Lockerungen von Treibstoffverbrauchsvorgaben für Autos und Lastwagen ab 2028. Gleichzeitig ist ein großer gerichtlicher Kampf absehbar:
Szenario 1 – Gerichtliche Anfechtung scheitert: Die Deregulierung bleibt bestehen, Kohle und Öl erleben eine Renaissance, klassische Autohersteller setzen auf größere, verbrauchsintensivere Fahrzeuge. Dies hätte erhebliche Langzeitfolgen für Klimawandelfolgekosten, die dann durch Versicherungskosten und staatliche Disaster-Relief auf die Allgemeinheit übertragen werden.
Szenario 2 – Gerichtliche Anfechtung erfolgt teilweise: Am wahrscheinlichsten ist eine partielle Wiederherstellung durch die Gerichte. Dies würde zu einem fragmentierten Markt führen, in dem unterschiedliche Bundesstaaten unterschiedliche Standards setzen – eine teure Situation für alle Beteiligten.
Szenario 3 – Regierungswechsel: Bei einem Regierungswechsel 2028 oder später könnte eine neue Administration die Maßnahmen wieder rückgängig machen, was zu massiver Investitionsunsicherheit führt.
Für Investoren bedeutet dies: Kurzfristig profitieren Kohle-, Öl- und klassische Automobilhersteller. Mittelfristig (3-5 Jahre) ist mit rechtlichen Unsicherheiten zu rechnen. Langfristig (5+ Jahre) werden Unternehmen mit grünen Technologien und diversifizierten Geschäftsmodellen wahrscheinlich die besseren Performer sein, da die globale Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen nicht abnimmt.
Die Trump-Administration hat mit der Aufhebung des „Endangerment Finding“ einen Wendepunkt markiert, der die US-Wirtschaft in zwei Lager spaltet: Profiteure der fossilen Industrie und Verlierer der Klimawirtschaft. Dies ist kein freier Markt – es ist eine politisch erzwungene Umverteilung von Risiken und Chancen. Investoren sollten nicht nur auf Quoten achten, sondern auch auf die gerichtlichen Entwicklungen, die in den nächsten Monaten über die tatsächlichen Auswirkungen dieser Entscheidung entscheiden werden.



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