Strategischer Schulterschluss in unsicheren Zeiten: Die politischen Gespräche zwischen Außenminister Wadephul und Außenminister Iwaya in Tokio
Weichenstellung in Tokio: Neue Partnerschaften für eine neue Weltlage?
Die internationale Unsicherheit wächst, China gewinnt zunehmend an Einfluss und der Krieg in der Ukraine erschüttert globale Handels- und Sicherheitsarchitekturen. Vor diesem Hintergrund trafen sich am Montag, den 18. August 2025, der deutsche Außenminister Johann Wadephul und sein japanischer Amtskollege Takeshi Iwaya zu umfangreichen politischen Gesprächen in Tokio. Angesichts gemeinsamer Herausforderungen in Wirtschaft, Sicherheit und internationalen Beziehungen gewinnen solche Dialoge zunehmend an Bedeutung. Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus der Kooperation der dritt- und viertgrößten Volkswirtschaft der Welt? Und wie könnten hiervon Bürger und Unternehmen profitieren?
Gemeinsame Sicherheitspolitik als Leitmotiv
Ein zentrales Thema des Treffens war die Sicherheitslage im Indo-Pazifik sowie im euroatlantischen Raum. Die Bedrohungen, die von Russlands Krieg gegen die Ukraine und Chinas wachsendem Einfluss ausgehen, erfordern laut Wadephul eine enge Abstimmung der Demokratien. Japan unterstützt Europa – entgegen der geografischen Distanz – unter anderem durch die Bereitstellung von Luftabwehrsystemen für die Ukraine. Damit unterstreicht Tokio die Relevanz gemeinsamer Interessen zwischen Europa und Asien. Ein Überblick dazu auf den Seiten des Auswärtigen Amts.
Handel und Lieferketten: Souveränität durch Diversifizierung
Lange war Deutschland auf China als wichtigsten Zulieferer kritischer Rohstoffe und Zwischenprodukte angewiesen. Die jüngsten Krisen und der wirtschaftspolitische Druck durch China und hohe US-Zölle machen deutlich, wie wichtig die Unabhängigkeit von einzelnen Handelspartnern ist. Japan gilt als Vorreiter in der Diversifizierung globaler Lieferketten. Der deutsch-japanische Dialog fokussierte daher auf die Kooperation in Rohstoffversorgung, Technologie-Transfer und bilaterale Investitionen. Diese Zusammenarbeit hilft beiden Ländern, strategische Risiken zu minimieren und Innovationen voranzutreiben.
Freie Handelsrouten und regelbasierte Ordnung
Angesichts zunehmender Konflikte im südchinesischen Meer und wachsender maritimer Spannungen verteidigen Deutschland und Japan gemeinsam offene Seewege und eine regelbasierte internationale Ordnung. Der Besuch in Tokio diente laut Deutschlandfunk auch dazu, multilaterales Engagement und Prinzipien des freien Handels zu bekräftigen. Die Sicherung globaler Versorgungsketten und der gegenseitige Marktzugang bleiben für beide Volkswirtschaften essenziell.
Neue Technologie-Cluster und wirtschaftliche Synergien
Im Bereich Wirtschaftssicherheit steht die Förderung digitaler Infrastruktur und Innovationen im Fokus. Deutsche Unternehmen – etwa im Bereich erneuerbare Energien, Mobilität und Künstliche Intelligenz – suchen zunehmend Partnerschaften mit japanischen Firmen, um ihre internationalen Netzwerke zu stärken. Der Austausch über Forschung, Aus- und Weiterbildung bildet laut Spiegel-Archiv einen weiteren Eckpfeiler der Gespräche. Gerade im Zeitalter disruptiver Technologien besteht großes Potenzial für Know-how-Transfer und gemeinsames Wachstum.
- Hintergrund: Der Besuch in Tokio ist die erste Asienreise Wadephuls seit seinem Amtsantritt im Mai 2025.
- Politische Relevanz: Beide Seiten betonen den Schulterschluss der Demokratien im Umgang mit autoritären Herausforderungen.
- Wirtschaftliche Bedeutung: Deutschland und Japan zählen zu den wichtigsten Investoren im jeweils anderen Land.
Die Gespräche markieren einen historischen Schritt zum Ausbau der deutsch-japanischen Beziehungen, getragen vom gemeinsamen Ziel der Resilienz und wirtschaftlichen Souveränität. Vorteile könnten sich insbesondere durch robuster gestaltete Lieferketten, weniger Abhängigkeit von Einzelstaaten wie China sowie den Austausch in Schlüsseltechnologien ergeben. Es bleibt zu beobachten, wie schnell politische Zusagen in wirtschaftliche Realität übersetzt werden können – und ob beide Seiten auch bei geopolitischen Krisen standhaft zusammenarbeiten. Nachteil könnten kurzfristig höhere Kosten durch Diversifizierung und steigende Komplexität für Unternehmen sein. In der Zukunft dürften sich vor allem die Volkswirtschaften – und damit Arbeitnehmer sowie Konsumenten – von stabileren Partnerschaften und technologischem Austausch profitieren. Die Erwartungen sind hoch: Deutschland und Japan hoffen, bei der Digitalisierung, Klimapolitik und in Fragen der internationalen Sicherheit gemeinsam Akzente zu setzen.



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