Siltronic Q4 2025: Wendepunkt oder weiterer Rückgang? Die kritischen Lieferungen entscheiden über die Aktie

Siltronic Q4 2025: Wendepunkt oder weiterer Rückgang? Die kritischen Lieferungen entscheiden über die Aktie

Der deutsche Waferhersteller Siltronic steht an einem Scheideweg. Während die Halbleiterindustrie insgesamt mit Euphorie auf die kommenden Jahre blickt, kämpft der Spezialchemie-Zulieferer mit Gegenwind, der bis mindestens 2025 andauern sollte. Doch heute, am 3. Februar 2026, könnten neue Quartalszahlen zeigen, ob sich die Situation tatsächlich zum Besseren wendet – oder ob die Krise länger anhält als erhofft.

Die Frage für Investoren ist drängend: Bietet Siltronic nach monatelanger Schwäche endlich ein Einstiegssignal, oder sollten Anleger weiterhin auf der Seitenlinie bleiben? Die Antwort hängt wesentlich davon ab, wie erfolgreich das Unternehmen in den kommenden Monaten drei kritische Hebel bewegt.

Die aktuelle Lage: Lieferverschiebungen und Margenprobleme

Im dritten Quartal 2025 zeigte sich die anhaltende Schwäche bei Siltronic deutlich.[3] Der Umsatz fiel auf 300,3 Millionen Euro, ein Rückgang von 8,7 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal.[3] Nach neun Monaten summierte sich der Gesamtumsatz auf gerade einmal 975,1 Millionen Euro – deutlich unter dem Niveau des Vorjahres.[2]

Die Ursachen für diese Schwäche sind bekannt, aber keineswegs behoben:

  • Planmäßige Lieferverschiebungen in das vierte Quartal, die künstlich das Q3-Ergebnis drückten
  • Negative Währungseffekte durch die Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar
  • Geringere Waferflächen aufgrund schwächerer Nachfrage in bestimmten Segmenten
  • Ungünstige Produktmix-Entwicklungen, insbesondere bei Wafern mit kleineren Durchmessern

Das EBITDA betrug nach neun Monaten 230,5 Millionen Euro bei einer Marge von 23,6 Prozent – solide, aber deutlich unter dem Niveau von 25,7 Prozent im Vorjahreszeitraum.[3][6] Das EBIT fiel sogar auf gerade 7,2 Millionen Euro, und das Periodenergebnis lag mit minus 25,1 Millionen Euro deutlich im negativen Bereich.[6]

Die Prognose für 2025: Präzisiert, aber weiterhin pessimistisch

Der Vorstand von Siltronic hat die Erwartungen für das Gesamtjahr 2025 präzisiert und dabei die Bandbreiten realistischer gefasst.[2] Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich unter dem Vorjahr liegen, während die EBITDA-Marge nun zwischen 22 und 24 Prozent erwartet wird – enger als die bisherige Spanne von 21 bis 25 Prozent.[2][3]

Für das vollständige Geschäftsjahr 2024 hatten Analysten noch mit einem Umsatz von 1,41 Milliarden Euro gerechnet.[1] Doch die Realität in 2025 sieht deutlich düsterer aus. Die neuen Prognosen deuten auf einen Umsatz von etwa 1,3 Milliarden Euro hin – ein Rückgang von rund 8 bis 10 Prozent.[4]

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des Gewinns pro Aktie (EPS). Nach neun Monaten 2025 lag der EPS bei minus 0,83 Euro, ein dramatischer Abstieg von 2,19 Euro im Vorjahreszeitraum.[3] Für das Gesamtjahr wird mit einem negativen EPS von etwa minus 0,80 Euro gerechnet – eine enorme Belastung für die Aktie.

Die drei Hebel für eine mögliche Erholung in 2026

Das Management hat klar benannt, worauf es jetzt ankommt. Die Hoffnung für eine Erholung ruht auf drei Säulen:[2]

  • Planmäßige Auslieferungen im vierten Quartal: Die Lieferverschiebungen, die Q3 belastet haben, sollten sich im Q4 positiv auswirken. Dies würde den Jahresabschluss stabilisieren und Hinweise auf eine bessere Nachfrage geben.
  • Stabilisierung des Produktmixes: Insbesondere bei größeren Durchmessern müssen die Margen wieder steigen. Dies ist entscheidend für die Rentabilität, da diese Segmente höhere Margen bieten.
  • Erfolgreicher Anlauf in Singapur: Siltronic hat eine neue Produktionsstätte in Singapur aufgebaut. Deren erfolgreiche Inbetriebnahme ist essentiell für die Kapazitätserweiterung und die zukünftige Profitabilität.

Die Finanzlage zeigt jedoch Anspannungen. Die Nettofinanzverschuldung ist auf 932,7 Millionen Euro gestiegen und dürfte nahe am Jahreshöchststand liegen.[2] Die hohen Investitionen – zwischen 360 und 380 Millionen Euro geplant – belasten den Free Cashflow, der zwar besser wurde (minus 202,6 Millionen Euro statt minus 324,1 Millionen Euro), aber weiterhin deutlich negativ ausfällt.[2]

Was die Analysten für 2026 erwarten

Die mwb research rechnet für 2026 mit einer schrittweisen Erholung.[1] Der Umsatz könnte auf rund 1,5 Milliarden Euro anwachsen, während die EBITDA-Marge wieder auf über 25 Prozent steigen sollte.[4] Das EBITDA wird für 2026 auf etwa 423 Millionen Euro prognostiziert – ein Plus von 35 Prozent gegenüber 2025.[4]

Doch auch für 2026 wird mit einem negativen Nettogewinn von etwa minus 62,7 Millionen Euro gerechnet, bevor es 2027 wieder positiv werden könnte.[4] Dies zeigt, dass die finanzielle Belastung durch Zinskosten und Abschreibungen aus den hohen Investitionen weiterhin erheblich sein wird.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass Analysten die EPS-Prognose für 2026 gesenkt haben.[7] Der Grund liegt in Lagerbeständen bei den Kunden – ein klassisches Zeichen für Überkapazitäten in der Halbleiterindustrie. Dies steht im starken Kontrast zur Euphorie bei den großen Halbleiterherstellern wie NVIDIA oder TSMC.[8]

Die zyklische Natur der Wafer-Industrie als Doppelschwert

Siltronic operiert in einem der zyklischsten Bereiche der Halbleiterindustrie. Die Waferproduktion ist hochkapitalintensiv und reagiert verzögert auf Nachfragetrends. Wenn die Halbleiterhersteller ihre Bestände reduzieren – wie derzeit beobachtet – trifft dies die Waferlieferanten erst mit Verzögerung besonders hart.

Andererseits bietet diese Zyklizität auch Chancen. Wenn die Lagerbestände wieder aufgebaut werden müssen, kann der Umsatz schnell wieder anziehen. In einem wirtschaftlichen Erholungsszenario könnten zyklische Industrieunternehmen wie Siltronic profitieren, wenn die Nachfrage nach Halbleitern wieder anzieht.

Die niedrige Bewertung der Siltronic-Aktie könnte in diesem Zusammenhang tatsächlich ein Chancen-Fenster darstellen – für Investoren mit ausreichend Geduld und Risikotoleranz.

Investment-Empfehlungen: Kaufen, Halten oder Verkaufen?

Siltronic-Aktie selbst

Bewertung: HALTEN mit negativer Tendenz

Die Aktie ist nach dem langen Rückgang tatsächlich günstig bewertet. Doch solange die Lagerbestände bei den Kunden nicht abgebaut sind und die Lieferungen im Q4 2025 nicht planmäßig erfolgen, sollten neue Käufer vorsichtig sein. Das Risiko einer weiteren Enttäuschung ist noch immer erheblich.

  • Für Trader: Verkaufen Sie jede Erholung. Die fundamentale Situation ist noch nicht geklärt.
  • Für langfristige Investoren: Warten Sie auf konkrete Zeichen der Erholung – insbesondere erfolgreiche Q4-Lieferungen und klare Signale aus Singapur – bevor Sie wieder einsteigen.

Verwandte Sektoren und Alternativen

Während Siltronic unter Druck steht, könnten alternative Positionen interessanter sein:

  • Große Halbleiterhersteller (NVIDIA, ASML, TSMC): Diese sind weniger zyklisch belastet und profitieren stärker von KI-Trends. HALTEN mit selektiven Zugängen.
  • Equipment-Hersteller: Lieferanten von Produktionsmaschinen sind weniger direkt von Nachfrueschwankungen betroffen. HALTEN.
  • Andere deutsche Spezialchemie-Konzerne: LANXESS oder Celanese könnten in bestimmten Segmenten von einer Erholung profitieren. AKKUMULIEREN bei weiteren Rückgängen.

Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft

Positive Szenarien

Ein erfolgreicher Turnaround bei Siltronic hätte positive Signale für die gesamte deutsche Industrie und den Technologie-Sektor:

  • Indikator für Halbleiter-Recovery: Wenn Siltronic wieder wächst, deutet dies auf eine echte Erholung der Halbleiter-Nachfrage hin – nicht nur eine Fantasie.
  • Arbeitsplätze und Investitionen: Der erfolgreiche Anlauf in Singapur und weitere Kapazitätserweiterungen würden Arbeitsplätze sichern und neue Investitionen rechtfertigen.
  • Technologische Souveränität: Als einer der wenigen europäischen Waferlieferanten trägt Siltronic zur technologischen Unabhängigkeit Europas bei.

Negative Szenarien

Ein Scheitern der Erholung hätte aber auch deutliche negative Folgen:

  • Durchlaufs-Effekte: Schwäche bei Siltronic könnte auf andere deutsche Maschinenbauer und Zulieferer durchschlagen.
  • Investitionsverzögerungen: Falls Siltronic die geplanten Investitionen zurückfahren muss, hätte dies Konsequenzen für Maschinenbauer wie Aixtron oder Meyer Burger.
  • Zweifel an Halbleiter-Nachfrage: Ein weiterer Rückgang würde Zweifel an der KI-getriebenen Halbleiter-Super-Zyklus säen.

Ausblick: Was ist in den nächsten zwölf Monaten zu erwarten?

Szenario 1 (Wahrscheinlichkeit: 40 Prozent) – Erfolgreiche Erholung: Q4 2025 liefert gute Zahlen, der Singapur-Anlauf läuft planmäßig, und 2026 zeigt deutliche Verbesserungen. Die Aktie könnte 50-100 Prozent zulegen. Dies würde ein sehr bullisches Signal für die gesamte Halbleiterindustrie sein.

Szenario 2 (Wahrscheinlichkeit: 35 Prozent) – Schleppende Erholung: Die Lieferungen im Q4 sind besser, aber nicht spektakulär. Der Singapur-Anlauf verzögert sich um ein oder zwei Quarters. Die Aktie bleibt weiterhin unter Druck, müde Seitwärts-Bewegungen sind wahrscheinlich.

Szenario 3 (Wahrscheinlichkeit: 25 Prozent) – Weiterhin schwach: Die Lagerbestände bleiben hartnäckig erhöht. Zusätzliche Rückgänge sind möglich. Dies würde einen echten Strukturwandel in der Branche signalisieren und könnte längerfristige Konsequenzen haben.

Die nächsten ein bis zwei Quartale werden entscheidend sein. Investoren sollten die Q4 2025-Zahlen (die heute vorgelegt werden könnten), aber vor allem die Q1 2026-Guidance mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Dies sind die Zeichen, die über die Zukunft des Unternehmens entscheiden werden.

Eines ist sicher: Siltronic ist nicht länger ein sicheres Wachstums-Investment. Es ist jetzt ein Turnaround-Play mit erheblichen Risiken – aber auch enormen potenziellen Chancen für mutige und geduldig gebliebene Investoren.

Die Realität bei Siltronic ist ungeschminkt: Das Unternehmen befindet sich in einer kritischen Phase. Die Anleger müssen nicht nur auf bessere Zahlen warten, sondern auch klare Beweise sehen, dass die strategischen Initiativen – insbesondere der Singapur-Anlauf – tatsächlich funktionieren. Die niedrige Bewertung ist verlockend, aber sie ist auch eine Warnung. Nicht alle günstigen Aktien werden wieder teuer. In diesem Fall hängt alles von der Ausführung ab. Die kommenden Monate werden zeigen, ob Siltronic tatsächlich vor einem Wendepunkt steht oder ob es sich noch deutlich tiefer in Schwierigkeiten verstrickt.

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