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Japans Juli 2025: Vorläufige Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz im Zeichen von Handelskonflikten und Konsumstimmung

Japans Juli 2025: Vorläufige Industrieproduktion und Einzelhandelsumsatz im Zeichen von Handelskonflikten und Konsumstimmung

Japan überrascht Anleger und Analysten im Juli 2025 mit zweigleisigen Wirtschaftsindikatoren: Während die Industrieproduktion erstmals seit über einem Jahr wieder schrumpft, zeigt sich der private Konsum und der Einzelhandel trotz widriger Rahmenbedingungen robuster als erwartet. Vor allem Unternehmen wie Toyota sind von US-Handelszöllen betroffen und müssen innovative Lösungen suchen. Stehen japanische Exportwerte weiter unter Druck—oder bietet die Konsumseite das notwendige Gegengewicht?

Industriedaten im Mittelpunkt: Schwäche durch Handelsstreit und globale Unsicherheiten

Der S&P Global Manufacturing PMI für Japan fiel im Juli auf 48,8 Punkte, nach noch 50,1 im Juni. Dieser Wert signalisiert eine Kontraktion in der Industrie, ausgelöst vor allem durch Unsicherheiten um amerikanische Importzölle und die daraus resultierenden Bremsspuren im Exportbereich. Das Vor-Krisenniveau der Industrie bleibt damit in weiter Ferne. Besonders betroffen sind Automobilhersteller und Zulieferer, etwa Toyota, die neue Absatzmärkte erschließen oder die US-Produktion für den heimischen Markt zurückschiffen müssen. Die Ankündigung weiterer möglicher Zollerhöhungen von US-Präsident Trump drückt die Stimmung in diesem Sektor spürbar – sowohl bei Investoren als auch bei Industrieunternehmen. (Economy Global).

Importzahlen als Indikator für Binnennachfrage

Auffällig ist dabei, dass die Importe im Vergleich zum Vorjahresmonat um „nur“ 7,5% gefallen sind, was besser als die Markterwartung und ein Zeichen für die weiterhin vorhandene Nachfrage im Inland ist. Die Regierung in Tokio steuert mit Mindestlohnerhöhungen, Direktzahlungen und regionalen Fördermitteln gegen, um eine Bremsung der Binnennachfrage zu verhindern. Konsumgüter- und Einzelhandelsfirmen profitieren davon direkt, vor allem große Ketten und Onlinehändler können ihre Umsätze stabilisieren – auch dank eines schwachen Yen, der importierte Produkte leicht verteuert und den Fokus auf inländische Erzeugnisse lenkt (Trading Economics).

Preisentwicklung: Schwankende Inflation trifft Konsum

Die Kerninflationsrate bleibt nach einem leichten Rückgang mit rund 3% hoch, wenn auch etwas unter den Werten der vergangenen Jahre. Der Preisdruck—vor allem getrieben durch Energie- und Lebensmittelkosten aufgrund des Yen-Kurses—macht dem Einzelhandel zu schaffen, hemmt bislang den Konsum in der Breite aber weniger als befürchtet. Die Stabilisierungsmaßnahmen der Regierung zeigen Wirkung: Verbraucher greifen weiterhin zu Haushalts- und Elektronikartikeln aus japanischer Produktion oder zu europäischen Importen, die preislich attraktiver werden. (Statista).

Der Konsum und die Zukunft des Einzelhandels

Die eigentliche Überraschung liefert erneut der Dienstleistungs- und Einzelhandelssektor: Dessen Aktivität wächst im Juli so stark wie seit fünf Monaten nicht mehr. Unternehmen aus der Gastronomie, dem Tourismus und dem E-Commerce segmentieren ihr Angebot erfolgreich und profitieren von der erhöhten Mobilität und Binnennachfrage. Die stetige Anpassung von Geschäftsmodellen und Preisstrategien stützt die Marktperformance, während Industrieunternehmen vor allem ihre Kostenbasis anpassen müssen. Firmen aus dem Energiesektor profitieren wiederum vom Importbedarf, vor allem für russische Energieträger, trotz politischer Risiken im Hintergrund.

  • Japanische Konsumwerte, speziell Einzelhandelsketten und E-Commerce-Plattformen, bleiben attraktiv.
  • Industriewerte und Exportfirmen, etwa Produzenten von Halbleitern oder Automobilen, stehen vor weiteren Turbulenzen.
  • Versorger und Energieunternehmen mit internationalem Portfolio zeigen Widerstandskraft gegenüber Währungsschwankungen und Handelszöllen.

Aktienausblick: Was kaufen, was meiden?

  • Kaufen: Aktien von Einzelhändlern wie Seven & I Holdings, Lebensmittelunternehmen, Online-Plattformen (z.B. Rakuten), Versorgern mit diversifizierten Importquellen und Firmen mit starkem Binnenmarkt-Bezug.
  • Verkaufen/meiden: Exportorientierte Industriegiganten aus den Bereichen Automobil und Maschinenbau, Halbleiterausrüster mit Fokus auf den US-Markt.

Chancen und Risiken für Japans Wirtschaft im weiteren Jahresverlauf

  • Vorteile: Die Stützung der Binnennachfrage durch politische Maßnahmen wirkt, der Dienstleistungssektor kompensiert Industrieschwächen. Die Diversifizierung bei Energieimporten bietet kurzfristige Versorgungssicherheit.
  • Nachteile: US-Zölle und die Drohung weiterer protektionistischer Maßnahmen stellen das Geschäftsmodell vieler Exporteure in Frage. Ein anhaltend schwacher Yen erhöht mittelfristig die Importkosten.
  • Erwartungen: Die Politik wird weiterhin mit gezielten Stimuli gegensteuern müssen. Innovationen bei Energieversorgung und Digitalisierung bleiben Schlüsselthemen. Neue Handelsabkommen mit Europa und regionalen Partnern gewinnen an Bedeutung.

Im Fazit bleibt Japans Wirtschaft 2025 ein zweigeteiltes Spielfeld. Wer auf Konsum und Binnenmarkt setzt, kann profitieren, während Industriewerte angesichts internationaler Unsicherheiten vorläufig gemieden werden sollten. Politische Handlungsfähigkeit und innovative Geschäftsmodelle entscheiden über die Gewinner und Verlierer des dritten Quartals.

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