BNP Paribas schließt Geschäftsjahr 2025 mit Gewinnsprung ab – Bankensektor im Fokus der Dividendenstrategie

BNP Paribas schließt Geschäftsjahr 2025 mit Gewinnsprung ab – Bankensektor im Fokus der Dividendenstrategie

Die französische Großbank BNP Paribas hat das Geschäftsjahr 2025 mit überraschend starken Ergebnissen abgeschlossen und signalisiert damit eine Trendwende im europäischen Bankensektor. Mit einem Nettogewinn von 12,2 Milliarden Euro – ein Anstieg um knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr – demonstriert das Institut Widerstandskraft in einem volatilen Marktumfeld. Doch was bedeuten diese Zahlen für Investoren, und wie positioniert sich BNP Paribas für die kommenden Jahre?

Starkes Schlussquartal treibt Jahresergebnis nach oben

Das vierte Quartal 2025 wird zum Wendepunkt für BNP Paribas. Der Nettogewinn kletterte in diesem Zeitraum auf knapp 3 Milliarden Euro – ein beeindruckendes Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal[2]. Dieses Momentum war nicht zufällig: Höhere Erträge in den operativen Geschäftsbereichen, die um 7,8 Prozent zulegten, bildeten die Grundlage für diesen Erfolg. Das operative Ergebnis erreichte 3,97 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 19,3 Prozent entspricht[2].

Die Gesamterträge des Instituts beliefen sich über alle vier Quartale auf 12,6 Milliarden Euro pro Quartal im dritten Quartal[1], während die Betriebsaufwendungen durch straffere Kostenmanagement-Maßnahmen unter Kontrolle gehalten wurden. Der Gewinn je Aktie verbesserte sich um 7,5 Prozent auf 10,29 Euro[2], was die steigende Profitabilität pro Aktionärsanteil unterstreicht.

Höhere Ziele für 2028 – Bankchef verschärft Ambitionen

Bankchef Jean-Laurent Bonnafé nutzte die positiven Zahlen, um seine mittelfristigen Ambitionen deutlich zu verschärfen. Die Rendite auf das materielle Eigenkapital (ROCE) soll bis 2028 auf über 13 Prozent steigen – eine Steigerung gegenüber den bisherigen Zielen von rund 13 Prozent[2]. Noch ambitionierter ist das Gewinnwachstumsziel: Zwischen 2025 und 2028 strebt BNP Paribas ein durchschnittliches jährliches Gewinnwachstum von über 10 Prozent an[2]. Das bedeutet eine deutliche Beschleunigung im Vergleich zum Zeitraum 2024 bis 2026, in dem das Ziel noch bei 7 Prozent lag.

Diese aggressive Zielausrichtung basiert auf drei strategischen Säulen: der Integration von AXA IM als strategischer Hebel für Transformation und Wertschöpfung, der Implementierung von Wachstumstreibern in jedem Segment[1] sowie weiteren Kostensenkungen. Die sehr solide Finanzstruktur mit einer CET1-Quote von 12,5%[1] bietet dabei ausreichend Puffer für diese Expansionspläne.

Dividende steigt um acht Prozent – Aktionäre werden belohnt

Für Anleger besonders interessant: Die Aktionäre profitieren direkt vom Erfolg. BNP Paribas schlägt eine Schlussdividende von 2,57 Euro je Aktie vor[5]. Zusammen mit der bereits gezahlten Zwischendividende von 2,59 Euro steigt die Jahresdividende damit um knapp 8 Prozent auf 5,16 Euro[2][5]. Diese Erhöhung unterstreicht nicht nur die solide Kapitalausstattung der Bank, sondern signalisiert auch das Vertrauen des Managements in die zukünftige Profitabilität.

Die Ausschüttungsquote bleibt dabei im Rahmen der Unternehmensplanung[5], was ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dividendenzahlungen und Reinvestitionen gewährleistet. Der Sachbuchwert je Aktie lag bei 91,20 Euro[1], während der Nettobuchwert pro Aktie bei 92,50 Euro notiert wurde[3].

Kostensenkungen als Wachstumshebel – Der aggressive Sparkurs

Parallel zur Erhöhung der Ziele kündigte Bonnafé weitere Kostensenkungen an. Der Rotstift wird bei den Betriebsaufwendungen angesetzt, die im Gesamtjahr 2025 bei 7,6 Milliarden Euro lagen[1]. Diese Maßnahmen sind nicht als Sparmaßnahmen zu verstehen, sondern als strategische Neuausrichtung: Durch die Effizienzsteigerung entstehen finanzielle Spielräume für Investitionen in Wachstumsbereiche wie digitale Banking-Lösungen und die Integration von AXA IM.

Der Jaws-Effekt – also das Verhältnis zwischen Ertragswachstum und Kostenwachstum – betrug im zweiten Quartal 2025 plus 1,7 Basispunkte gegenüber Q2 2024[4], was die erfolgreiche Balance zwischen Revenue-Steigerung und Kostenmanagement demonstriert.

Branchenkontext – Wie reagiert der Bankensektor?

BNP Paribas‘ starke Performance kommt in einem Umfeld an, in dem europäische Großbanken unter Druck stehen. Die Kombination aus niedriger Zinsvolatilität, regulatorischen Herausforderungen und digitalem Wandel zwingt Institute zur Neupositionierung. Die Erfolgsgeschichte von BNP Paribas basiert auf einem diversifizierten und integrierten Geschäftsmodell, das über Commercial & Personal Banking, Investment & Protection Services und Corporate & Institutional Banking verfügt[7].

Mit Positionen in 64 Ländern und knapp 178.000 Mitarbeitern – davon mehr als 144.000 in Europa[7] – ist BNP Paribas optimal positioniert, um von europäischen Wachstumstrends zu profitieren. Die Ausweitung des integrierten Commercial & Personal Banking Modells in mediterranen Ländern, der Türkei und Osteuropa[7] eröffnet zusätzliche Wachstumschancen.

Risikokosten im Plan – Moderate Kreditausfallrisiken

Ein oft übersehener Faktor bei der Bewertung von Banken sind die Risikokosten. BNP Paribas gibt an, dass die Risikokosten im Einklang mit dem 2024-2026 Wachstumskurs stehen[1], was auf moderate Kreditausfallrisiken hindeutet. Für Investoren ist dies ein positives Signal, da es darauf hinweist, dass das Kreditportfolio des Instituts resilient ist und keine massiven Ausfallprobleme zu erwarten sind.

Struktur der Segmente – Wo liegt das Wachstum?

Im zweiten Quartal 2025 zeigten sich unterschiedliche Dynamiken in den Geschäftssegmenten:

  • Investment & Protection Services: Gesamterträge von 6,6 Milliarden Euro (+0,4%)[4]
  • Commercial, Personal Banking & Services: Gesamterträge von 1,5 Milliarden Euro (+4,4%)[4]
  • Corporate & Institutional Banking: Gesamterträge von 4,7 Milliarden Euro (+4,0%)[4]

Das Personal Banking-Segment wächst am dynamischsten, was die erfolgreiche Expansion in Schwellenmärkten widerspiegelt. Corporate & Institutional Banking profitiert von der globalen M&A-Aktivität und der Finanzierung großer Projekte.

Analyse und Handlungsempfehlungen für Investoren

Aktienbewertung: Kaufen, Halten oder Verkaufen?

Basierend auf den aktuellen Ergebnissen und der strategischen Ausrichtung von BNP Paribas ergeben sich folgende Einschätzungen:

  • BNP Paribas-Aktie (KAUFEN): Mit den erhöhten Zielen bis 2028, der steigenden Dividende um 8 Prozent und dem soliden Ertragswachstum bietet die Aktie attraktive Chancen. Besonders für Dividendenanleger interessant: Die Kombination aus stabiler Dividendenausschüttung (5,16 Euro) und potenziellen Kurssteigerungen durch Gewinnwachstum von über 10 Prozent jährlich. Der Kurs ist bereits um über 41 Prozent in den letzten zwölf Monaten gestiegen[8], doch die fundamentalen Verbesserungen rechtfertigen eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.
  • Europäische Bankensektor-ETFs (HALTEN): Der Erfolg von BNP Paribas hebt das gesamte Segment, aber nicht alle Institute profitieren gleichmäßig. Selektive Auswahl ist erforderlich.
  • Hochrisiko-Bankentitel mit schwachen Gewinnen (VERKAUFEN): Während BNP Paribas floriert, werden Institute mit schlechteren Fundamentaldaten vom Markt abgestraft. Hier sollten Positionen reduziert werden.

Makroökonomische Implikationen – Gesamtwirtschaftliche Perspektive

Vorteile für die Wirtschaft:

  • Verbesserte Kreditvergabe: Profitable Banken vergeben leichter Kredite, was Unternehmen und Privatpersonen bei Investitionen unterstützt. BNP Paribas‘ Wachstum bedeutet mehr verfügbare Finanzierungsmittel im europäischen Markt.
  • Stabilität des Finanzsystems: Mit einer CET1-Quote von 12,5% trägt BNP Paribas zu einem robusteren Finanzsystem bei und reduziert das Systemrisiko.
  • Arbeitsplätze in Schwellenländern: Die Expansion in osteuropäischen und mediterranen Ländern schafft Beschäftigung und förderliche Bedingungen für lokale Wirtschaften.
  • Kapitalmarkttiefe: Ein profitables Investment & Protection Services Segment stärkt die europäischen Kapitalmarktfunktionen.

Herausforderungen und potenzielle Nachteile:

  • Digitalisierungsdruck auf kleinere Institute: Während BNP Paribas in Digitalisierung investiert, könnten kleinere Regionalbanken verdrängt werden, was zu weniger Wettbewerb führt.
  • Kosten für Arbeitnehmer: Die angekündigten Kostensenkungen könnten Arbeitsplatzabbau bedeuten, besonders in etablierten westeuropäischen Märkten.
  • Zinsrisiko: Sollten die Zentralbanken die Zinsen schneller senken als erwartet, könnten Netto-Zinsmargen unter Druck kommen.

Ausblick für 2026 und darüber hinaus

Für 2026 bestätigt BNP Paribas seinen Wachstumskurs und hat Wachstumstreiber in jedem Segment implementiert[3]. Mehrere Szenarien zeichnen sich ab:

Szenario 1 – Optimistisch (Wahrscheinlichkeit: 60%): BNP Paribas erreicht oder übersteigt ihre Ziele bis 2028. Die Integration von AXA IM generiert synergistische Gewinne, digitale Initiativen zahlen sich aus, und die Expansion in Schwellenländern acceleriert. Die Aktie könnte bis 2028 um weitere 30-50 Prozent steigen.

Szenario 2 – Basis (Wahrscheinlichkeit: 30%): BNP Paribas wächst moderat, verfehlt aber einige ehrgeizige Ziele. Externe Faktoren wie Rezessionen oder Regulierungsänderungen bremsen das Wachstum. Die Aktie entwickelt sich seitwärts mit moderaten Dividendeneinkünften.

Szenario 3 – Pessimistisch (Wahrscheinlichkeit: 10%): Ein Konjunkturabschwung führt zu höheren Kreditausfällen, und geopolitische Spannungen beeinträchtigen das internationale Geschäft. Die Aktie könnte 20-30 Prozent nachgeben.

Für den Bankensektor insgesamt sollte mit folgenden Entwicklungen gerechnet werden: Verstärkte Konsolidierung europäischer Banken, beschleunigte digitale Transformation und verstärkte Regulierung im Bereich ESG und Cybersecurity. Banken, die wie BNP Paribas diese Trends proaktiv adressieren, werden profitieren.

Langfristig wird die europäische Bankenlandschaft von drei Megatrends geprägt sein: der Digitalisierung, der Nachhaltigkeit und der demografischen Alterung in Europa (was Vermögensmanagement und Altersvorsorge verstärkt macht). BNP Paribas ist in allen drei Bereichen gut positioniert. Mit der jüngst angekündigten Dividendensteigerung und den aggressiven Wachstumszielen signalisiert das Institut, dass es sich selbstbewusst in diese Zukunft bewegt.

Für conservativ orientierte Anleger mit mittlerem Zeithorizont (3-5 Jahre) bietet BNP Paribas eine attraktive Kombination aus Ertragsstabilität (Dividende) und Kurspotenzial. Für Trader bietet die Aktie nach ihrem 41-prozentigen Anstieg kurzzeitig Konsolidierungschancen, bevor weitere Aufwärtsbewegungen wahrscheinlich sind. Die Fundamentals sprechen deutlich für ein Engagement, während technische Indikatoren eine kurzfristige Verschnaufpause nahelegen – ein klassisches Buy-on-Dip-Szenario.

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