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Konsumstimmung in Deutschland: Angst vor Jobverlust und steigende Energiepreise drücken die Wirtschaft im August 2025

Konsumstimmung in Deutschland: Angst vor Jobverlust und steigende Energiepreise drücken die Wirtschaft im August 2025

Rutscht die deutsche Wirtschaft im Spätsommer 2025 in eine neue Konsumflaute? Die aktuellen Zahlen lassen aufhorchen: Die Verbraucherstimmung in Deutschland verschlechtert sich im August laut GfK erneut spürbar. Hauptgründe sind eine wachsende Angst vor Jobverlusten und die Sorge um weiter steigende Energiepreise, die aktuell wieder als Inflationstreiber auftreten. Besonders für Handel, Konsumgüterindustrie und Versorger bedeutet dies teils gravierende Folgen. Wer profitiert, wer verliert in dieser angespannten Marktlage? Müssen Aktionäre sich rechtzeitig neu positionieren?

Verbraucherstimmung erreicht neuen Tiefpunkt

Der GfK-Konsumklima-Index sackte im August auf -23,6 Punkte ab und erreichte damit erneut ein sehr niedriges Niveau – im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Rückgang um 1,9 Zähler. Die Einkommenserwartungen der Verbraucher mussten einen besonders deutlichen Einbruch hinnehmen: Der entsprechende Indikator stürzte um 11,1 Zähler auf nur noch 4,1 Punkte ab — der niedrigste Stand seit März 2025. Diese Entwicklung signalisiert, dass viele Konsument:innen aktuell größere Anschaffungen hinauszögern und generell Sparsamkeit walten lassen, wie auch das CHIP-Wirtschaftsmagazin berichtet.

Angst vor Arbeitsplatzverlust wächst

Die Ursachen für diese Konsumzurückhaltung sind vielschichtig. Ein zentrales Thema bleibt der Arbeitsmarkt. Bei knapp drei Millionen registrierten Arbeitslosen im Juli und der Erwartung, dass im August diese Marke überschritten wird, steigt bei vielen Menschen die Furcht vor einem Jobverlust. Das wiederum führt zu einer gesteigerten Sparneigung und zu einer Eintrübung der Konsumlaune.

Steigende Energiepreise schüren weitere Verunsicherung

Parallel dazu geraten die Verbraucher erneut durch steigende Energiekosten unter Druck. Internationale Unsicherheiten, vor allem bei Rohstoffmärkten und Lieferketten, spielen hierbei genauso eine Rolle wie geopolitische und wirtschaftspolitische Entwicklungen. Diese begründen die wachsende Sorge, dass die Teuerungsrate — nach Monaten der relativen Beruhigung — im Herbst wieder deutlich anzieht.

Inflationserwartungen klettern, Anschaffungsneigung bröckelt

Wie die Lebensmittel Praxis analysiert, kletterten die Inflationserwartungen der Bundesbürger bereits im August den zweiten Monat in Folge. Die Anschaffungsneigung — ein Frühindikator für den privaten Konsum — rutschte auf -10,1 Punkte und erreichte damit den tiefsten Stand seit Februar. Das Resultat: Viele Bürger bleiben angesichts der unsicheren Inflations- und Arbeitsmarktperspektive abwartend bei größeren Investitionen.

Folgen und Perspektiven für Unternehmen und Börse

Die Negativtrends schwächen vor allem Unternehmen aus Einzelhandel, zyklische Konsumgüter (beispielsweise MediaMarkt, Ceconomy, Adidas) sowie Anbieter von Möbeln oder Bauzubehör. Viele Einzelhändler melden schon jetzt Absatzrückgänge — durch die abgekühlte Stimmung droht das wichtige Weihnachtsgeschäft schwächer als in Vorjahren auszufallen.

Währenddessen könnten Aktien von Energieversorgern sowie defensive Branchen und Grundversorger vergleichsweise robust bleiben. Auch Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs oder Discountmodelle anbieten, wie HelloFresh, REWE oder Lidl, könnten im Abschwung Kunden gewinnen.

  • Konsumgüter-Aktien, besonders im gehobenen Preissegment, sollten kritisch geprüft und je nach Bilanz „verkauft“ werden.
  • Versorger- und Discount-Titel könnten sich in unsicheren Zeiten als stabilisierende Depotanker erweisen.
  • Technologie-Aktien profitieren nur selektiv — etwa bei Unternehmen, die Digitalisierungslösungen für Kostenersparnis bieten, etwa SAP oder TeamViewer.

Wohnungsbau, Autohersteller und Bauzubehör (z. B. Hornbach, VW, BMW) bleiben besonders von Konsumzurückhaltung und Angst vor großen Investitionen betroffen.

Neue Aspekte in der Diskussion

  • Geopolitische Unsicherheiten verschärfen die Planungsunsicherheit. Das betrifft nicht nur Energieimporte, sondern beispielsweise auch die Verlässlichkeit von Lieferketten für die Industrie.
  • Inflationserwartungen zurück im Rampenlicht: Marktbeobachter ziehen Parallelen zu 2023, als anhaltend hohe Preise Konsum und Investitionen bremsten.
  • Psychologischer Effekt: Medienberichte und negative Erwartungen könnten einen sich selbst verstärkenden Kreislauf bei Konsumzurückhaltung und Sparverhalten auslösen (Selbsterfüllende Prophezeiung).

Chancen und Risiken für die Volkswirtschaft

Positiv: Eine abgekühlte Konsumkonjunktur kann die Inflation bremsen, was der Notenbank wieder Handlungsspielräume bei der Geldpolitik eröffnet. Negativ: Die Binnenwirtschaft, traditionell Rückgrat des Wachstums in Deutschland, bleibt ein Risikofaktor für den Konjunkturausblick — deutlich zu sehen im aktuellen Terminkalender der Deutschen Börse, der Konjunkturprognosen eine hohe Unsicherheit attestiert.

  • Risiko: Sinkende Umsätze im Einzelhandel könnten Insovlenzwellen befeuern.
  • Chance: Kostenbewusstsein bei Konsumenten könnte nachhaltige Geschäftsmodelle und Innovationen fördern.
  • Langfristige Perspektive: Der Spartrend könnte sich nach einer Beruhigung am Arbeitsmarkt gegebenenfalls wieder umkehren, sofern konkrete politische Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft greifen.

Wer jetzt antizyklisch kauft, fokussiert sich am besten auf defensive Werte und robust positionierte Versorger, meidet dagegen Konsum- und Zykliker-Aktien aus dem oberen Preissegment. Mittel- und langfristig bleibt die Hoffnung, dass die Konsumflaute nachlässt, wenn Arbeitsmarkt und Energiepreise sich stabilisieren. Experten raten aber, die Entwicklung der Verbraucherstimmung und Arbeitslosenzahlen weiterhin eng zu beobachten, um frühzeitig auf neue Trends zu reagieren.

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