VCI-Jahresbilanz 2025: Chemie- und Pharmaindustrie in tiefer Krise – Kein Rekordumsatz, sondern historischer Tiefpunkt

VCI-Jahresbilanz 2025: Chemie- und Pharmaindustrie in tiefer Krise – Kein Rekordumsatz, sondern historischer Tiefpunkt

Kann die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie trotz anhaltender Krisen überleben? Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat in Frankfurt am 10. Dezember 2025 eine alarmierende Bilanz gezogen: Statt Rekordumsatz meldete der VCI einen Umsatzrückgang von 1 Prozent, sinkende Produktion und einen historischen Tiefpunkt bei der Anlagenauslastung von nur 70 Prozent. Unternehmen wie BASF oder Bayer stehen unter Druck – Aktien von Pharma-Firmen wie Bayer könnten kurzfristig stabil bleiben, während reine Chemieaktien wie Covestro eher verkauft werden sollten.

Die düstere Jahresbilanz 2025 im Detail

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Die Produktion der gesamten chemisch-pharmazeutischen Industrie sank um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders die klassische Chemie litt: Hier ging die Produktion um 2,5 Prozent zurück, der Umsatz im In- und Ausland um 3 Prozent. Pharma hingegen konnte mit einem Produktionsplus von 3 Prozent und einem Umsatzanstieg von über 4 Prozent punkten, doch selbst hier verschlechterte sich die Geschäftslage ins Negative.

VCI-Präsident Markus Steilemann warnte eindringlich: „Die Industrie funkt SOS. 2025 war für unsere Branche erneut sehr schwierig und der Blick nach vorn wird nicht rosiger.“ Aufträge sind seit 2021 um mehr als 20 Prozent eingebrochen, jedes zweite Unternehmen hat zu wenig Orders. Die Folge: 2.400 Stellen weniger in der Branche, ein Rückgang um 0,5 Prozent.

  • Produktion Chemie: -2,5 Prozent
  • Umsatz Chemie: -3 Prozent (In- und Ausland)
  • Anlagenauslastung: 70 Prozent – historisches Tief
  • Beschäftigung: -0,5 Prozent (2.400 Jobs verloren)
  • Pharma-Produktion: +3 Prozent, Umsatz +4 Prozent

Ursachen der Krise: Hohe Kosten und schwache Nachfrage

Hohe Energiepreise, steigende Rohstoff- und Emissionskosten sowie ein teurer Euro belasten die Branche massiv. Chinesische Überkapazitäten und US-Zölle erschweren den Export. Regulatorische Unsicherheit, Bürokratie und langsame Genehmigungen verschärfen die Lage. Eine VCI-Umfrage unter Mitgliedsfirmen zeigt: 20 Prozent planen Produktionsverlagerungen oder Stilllegungen, 10 Prozent erwägen Standortschließungen. Über 40 Prozent erwarten sinkende Inlandsumsätze, fast 50 Prozent weitere Ertragsverschlechterungen.

Im Vergleich zu anderen Sektoren, wie im ifo-Geschäftsklima März 2026, steht der Mittelstand unter ähnlichem Druck. Die Chemiebranche exemplifiziert die breitere Konjunkturkrise in Deutschland.

Ausblick 2026: Stagnation und weitere Einbußen erwartet

Für 2026 prognostiziert der VCI Stagnation in der gesamten Branche und einen Produktionsrückgang von 1 Prozent in der Chemie. Bei sinkenden Preisen droht ein Umsatzminus von 2 Prozent im In- und Export. Neue Wissenspunkte unterstreichen die Dringlichkeit: Erstmals seit Jahrzehnten liegt die Anlagenauslastung unter 75 Prozent, was Rentabilität unmöglich macht. Zudem verlagern Unternehmen Produktion nach Asien, was Europas Versorgungssicherheit gefährdet. Ein weiterer Punkt: Die Pharma-Sparte, getrieben von Innovationen in Biotechnologie, könnte als Rettungsanker dienen, wie bei Bayer zu beobachten.

Der VCI fordert sechs Maßnahmen, darunter niedrigere Kosten, weniger Bürokratie und mutige Reformen in Energie- und Klimapolitik. Detaillierte VCI-Daten bestätigen diese Forderungen.

Beispiele aus der Praxis: BASF und Bayer

BASF meldete kürzlich Verluste durch hohe Energiekosten und plant Anpassungen. Bayer hingegen profitiert von Pharma-Wachstum, leidet aber unter Agrarchemie-Problemen. Fallstudie: Covestro kämpft mit sinkender Nachfrage nach Polyurethanen, was zu Kapazitätsabbau führt.

  • BASF: Fokus auf Kostensenkung und Verlagerung
  • Bayer: Pharma treibt Umsatz, Chemie schwächt
  • Covestro: Historisch niedrige Auslastung

In Zeiten steigender Importpreise, wie im US-Import- und Exportpreise Februar 2026, verschärft sich der Wettbewerbsdruck.

Welche konkreten Aktien kaufen, halten oder verkaufen? Kaufen Sie Bayer (Pharma-Resilienz) und Merck KGaA (starke Pipeline). Halten Sie BASF (Transformationspotenzial). Verkaufen Sie Covestro und Linde (hohe Energieabhängigkeit). Vor- und Nachteile für die Wirtschaft: Vorteile – Impuls für Reformen, Förderung von Innovationen in grüner Chemie. Nachteile – Stellenverluste (bis zu 10.000 bis 2027 möglich), Abwanderung von Know-how, Schwächung des DAX-Industrieanteils. Zukunft: Erwarten Sie leichte Erholung ab 2027 durch EU-Förderungen für Klimaneutralität, aber anhaltende Stagnation bis Reformen greifen. Technologische Fortschritte in CO2-Recycling könnten Chemie revitalisieren.

Empfehlung: Diversifizieren Sie in Pharma und prüfen Sie Reformfortschritte quartalsweise – die Branche braucht politischen Rückenwind, um Potenzial zu entfalten.

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