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Die Globalisierung hat versagt: Soziale Ungleichheit und politische Folgen in Industrieländern

Die Globalisierung hat versagt: Soziale Ungleichheit und politische Folgen in Industrieländern

Unerwartete Gewinner und Verlierer

Der Traum von Wohlstand für alle – mit dieser Verheißung startete die Globalisierung ihre Etappe in den letzten Jahrzehnten. Doch heute sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Während etwa Tech-Giganten und Börsentitel aus dem Luxus- und Technologiesektor (z.B. Apple, Nvidia, LVMH) als Gewinner aus der Dynamik hervorgehen, geraten klassische Industrieaktien, Einzelhändler und regionale Banken verstärkt unter Druck. Kapital ist der große Gewinner, Arbeit der Verlierer. Die bereits jetzt starke Polarisierung im Aktienmarkt wird sich fortsetzen. Anleger sollten weitere Allokationen in Technologie, erneuerbare Energien und Gesundheitsdienstleister in Erwägung ziehen. Zyklische Werte und konventionelle Handelsketten sind dagegen aus Risiko-, aber auch aus moralischer Sicht überdenkenswert.

Wie die Globalisierung soziale Ungleichheit verschärft

Eine umfangreiche Studie der Universität Mannheim belegt, dass die Globalisierung in den letzten Jahrzehnten mit wachsenden Einkommen einherging – allerdings profitierten vor allem die obersten zehn Prozent. In Industrieländern ist die Kluft zwischen Arm und Reich besonders stark gestiegen. Während die Einkommen in den frühen und mittleren Stadien der globalen Integration zunahmen, verlangsamte sich das Wachstum bei zunehmender Globalisierungsintensität. So profitieren die bereits Wohlhabenden am meisten, während die unteren Einkommensschichten kaum Zugewinne verzeichnen.

  • Materielle Grundlage für Skepsis gegenüber Globalisierung ist gestiegen.
  • Ungleichheit nimmt besonders in stark globalisierten Ländern zu.
  • International nähert sich zwar das Einkommensniveau an, die Binnenungleichheit steigt jedoch.

Politische Folgen: Erstarken radikaler Bewegungen

Diese Ungleichgewichte schlagen sich längst in politischen Prozessen nieder. Populistische Akteure wie Trump in den USA und die AfD in Deutschland bedienen gezielt die Sorgen derer, die im globalen Wettbewerb unter die Räder kommen. Ein Bericht auf Focus verdeutlicht, dass insbesondere Geringqualifizierte mit Arbeitslosigkeit und abnehmender sozialer Sicherheit konfrontiert sind. Ohne wirksame Sozialsysteme – wie sie etwa in den USA fehlen – drohen gesellschaftliche Verwerfungen und die Verstärkung von sozialen Konflikten.

  • Regierungen weichen Tarifbindungen durch Zeitarbeit und sogenannten zweiten Arbeitsmarkt auf.
  • Verteilungseffekte verstärken die Polarisierung zwischen Kapitalbesitzern und Erwerbstätigen.
  • China entwickelt sich zum Hochtechnologie-Konkurrenten und nimmt dem Westen den Technologievorsprung.

Notwendigkeit sozialer Regulierung und Industriepolitik

Dass Globalisierung auch positive Wirkung entfalten kann, zeigt sich an Beispielen wie Südafrika und Brasilien, wo starke Gewerkschaften und verbesserte Arbeitsgesetze soziale Verbesserungen in Industriebetrieben bewirken. Demgegenüber steht etwa Indien – hier dominiert informelle Beschäftigung, ohne nationale Arbeitsregulierung, wie eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung dokumentiert.

  • Ökonomisches und soziales Upgrading erfordern gezielte Industriepolitik und Regulierung.
  • Marktmechanismen allein erhöhen die Ungleichheit innerhalb und zwischen Ländern.
  • Internationales Engagement und Solidarität sind Voraussetzung für faire Entwicklungschancen.

Globale Perspektive und Zukunftsaussichten

Der Weltsozialbericht 2025 der Vereinten Nationen betont die Dringlichkeit eines neuen politischen Konsenses: Wirtschaftliche Instabilität, Einkommensungleichheit und politische Polarisierung fordern den Umbau der internationalen Agenda. Die Schlüsselbegriffe lauten: Chancengleichheit, soziale Sicherheit und internationale Solidarisierung. Nachhaltiger sozialer Fortschritt gelingt nur im Zusammenspiel von ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen. Ein Blick auf aktuelle Nachrichten zeigt, wie das Thema die Agenda von Regierungen und internationalen Organisationen zunehmend bestimmt.

Handlungsempfehlungen für Anleger und Unternehmen

  • Kaufen: Weiterhin profitieren Unternehmen aus Technologie, Gesundheitswirtschaft und grünen Branchen. Aktien mit starkem Innovationspotenzial, internationaler Ausrichtung und resilienten Geschäftsmodellen bleiben Favoriten.
  • Verkaufen: Aktien klassischer Industrieunternehmen, regionaler Banken und traditioneller Einzelhändler sind weiterhin mit erhöhtem strukturellem Risiko behaftet – insbesondere, wo Arbeitsplätze durch Automatisierung und Globalisierung wegfallen.
  • Zu beachten: Politische Interventionen, verschärfte Regulierung sowie Steuererhöhungen könnten Gewinnermärkte kurzfristig belasten, langfristig aber nachhaltiges Wachstum stützen.

Die Globalisierung hat ihre Versprechen bislang vor allem für eine wohlhabende Minderheit eingelöst. Die Verlierer stehen am Beginn ihrer politischen und gesellschaftlichen Emanzipation. Anleger sollten Trends der Innovation und Regulierung genau beobachten und in Branchen investieren, die von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und sozialer Absicherung profitieren – ob Tech, Healthcare oder Emerging Markets. Für die gesamte Wirtschaft ergeben sich Chancen bei konsequenter Neujustierung der sozialen und ökologischen Regeln, Risiken bestehen bei Fortführung der alten Dogmen. Die Zukunft hängt davon ab, wie stark Wirtschaft und Politik neue Wege für Teilhabe und Sicherheit erschließen.

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