Volkswagen AG: Pre-Close Call für das dritte Quartal 2025 offenbart Chancen und Risiken für Investoren
Die heute veröffentlichten Pre-Close Call-Daten der Volkswagen AG werfen einmal mehr zentrale Fragen auf: Wie deuten sich die Trends für das Schlussquartal 2025 an? Welche Margenentwicklung wird in Wolfsburg erwartet, und vor allem – welche Folgen für den Kurs der Volkswagen- und Porsche-Aktie könnten Anleger jetzt bereits ablesen? Schon kurz nach Call-Beginn reagierte der Markt positiv: Die Volkswagen-Aktie legte zum Handelsstart um 1,2 % zu, ein Hinweis darauf, dass Investoren die konkreten Risiken bereits eingepreist sehen laut Business Post. Doch das Bild ist differenzierter. Modelle aus dem Segment Core profitieren von Produktmomentum, gleichzeitig drücken Belastungen aus Rückstellungen und Wertberichtigungen – insbesondere bei Porsche – die mittelfristigen Aussichten.
Wesentliche Erkenntnisse aus dem Pre-Close Call
Starkes Europa-Geschäft und Nachfrageimpulse bei E-Mobilität
Volkswagen meldet eine deutliche Belebung des Auftragseingangs in Westeuropa: +17 % gegenüber dem Vorjahr, das Orderbuch klettert auf 0,9 Millionen Einheiten. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung im Elektro-Segment: Die Bestellungen für batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) sind im Jahresverlauf um beeindruckende 64 % gestiegen, inzwischen machen BEVs bereits ein Viertel des Auftragsbestands aus offizielle Präsentation. Trotz positiver Nachfrage in Europa und Südamerika (- und dort +15 %), konnten Rückgänge in China (-8 %) und Nordamerika (-4 %) nicht vollständig kompensiert werden.
Markenperformance und Kosteneffekte
Auf Segmentebene sticht hervor: Die „Core“-Sparte (VW, Skoda, Seat) bleibt mit +3 % Wachstum weiter der Treiber, während Luxus- und Progressive-Marken wie Porsche und Audi leicht rückläufig oder stabil sind. Der Lkw-Bereich verliert zweistellig (-16 %). Insbesondere VW muss für Porsche knapp 3 Milliarden Euro Wertberichtigung und weitere 2,1 Milliarden Euro Kosten aufgrund angepasster mittelfristiger Ambitionen verbuchen. Das sollte Anleger an der Porsche SE-Aktie vorsichtig stimmen. Investor Relations Volkswagen
- Umsatzperspektive 2025: Der Konzernumsatz bleibt „in etwa auf Vorjahresniveau“ (2024: 324,7 Mrd. EUR)
- Operative Marge fällt auf 2-3 % (Vorjahr: 5,9 %, H1 2025: 4,2 %)
- Netto-Liquidität schmilzt: von 34,4 Mrd. EUR (2024) auf 28,4 Mrd. EUR (H1 2025), Ziel: rund 30 Mrd. EUR
- Wesentliche Bremse: US-Strafzölle von 15 % auf EU-Importe ab August 2025, was bereits die Lieferzahlen in Nordamerika schrumpfen ließ
Strategische Transformation und Ausblick auf Innovation
Mit „Mobility for Generations“ verfolgt Volkswagen ein rigoroses Transformationsprogramm. Neben dem schnellen Hochlauf bei der Elektromobilität adressiert der Konzern auch Software und Mobilitätsdienste. Der Anteil der BEVs im Orderbuch zeigt, dass das Ziel, sich als europäischer Marktführer zu etablieren, zunehmend realistisch wird. Gleichzeitig sorgen Lieferengpässe in Asien und eine stabile Marktposition beim Weltmarktanteil (weiter über 10 %) für Robustheit im Stammgeschäft.
Konkrete Handlungsempfehlungen für Aktienanleger
- Volkswagen-Stammaktie: Aufgrund der soliden Entwicklung in Europa und der starken Elektrostrategie kann ein Zukauf für risikobewusste Anleger erwogen werden. Kurzfristige Volatilität durch anhaltende Zölle und Liquiditätsabflüsse bleibt wahrscheinlich.
- Porsche AG: Angesichts der massiven Wertberichtigungen und der schwächeren Perspektive insbesondere in China empfiehlt sich Halten oder sogar eine schrittweise Reduzierung.
- Traton (Lkw-Sparte): Hier ist weitere Vorsicht angesagt, da das Segment in Q3 zweistellig rückläufig war. Ein klarer Verkaufskandidat.
- Luxus-/Progressive-Marken (Audi, Bentley): Halten, vorerst keine Neupositionierung wegen stagnierendem oder leicht rückläufigem Wachstum.
Makroökonomische Auswirkungen und Zukunftsausblick
Die Zeichen stehen auf strukturellen Wandel und Marktverlagerung:
- Vorteile: Technologischer Fortschritt durch E-Mobilität und Digitalisierung beschleunigt die Modernisierung relevanter Industrien entlang der Lieferkette und bringt für Europa einen Innovationsvorsprung.
- Nachteile: Gewinnmargen sowie Cashflows bleiben unter Druck, insbesondere durch geopolitische Maßnahmen wie Zölle aber auch Verschiebungen in den Premiumsegmenten (Porsche, Audi). Liquiditätsabflüsse limitieren strategische Flexibilität.
Für die Gesamtwirtschaft bedeutet dies robuste Nachfrage in Europa, aber erhebliche Ungewissheiten durch globale Handelskonflikte und schwaches China-Geschäft. Die stagnierende bis sinkende Marge zwingt den Konzern und Zulieferer zu Effizienz- und Kostensenkungsprogrammen.
Für die kommenden Quartale ist bei Volkswagen eine weiter solide Entwicklung in Europa zu erwarten, getragen insbesondere von E-Modellen, während Schwächen in China und Nordamerika anhalten. Anleger sollten insbesondere auf die Entwicklung der operativen Marge und die weitere Wirkung der US-Zölle achten. Langfristig dürften die Elektromobilitäts-Aktien des Konzerns zu den Gewinnern zählen, während vor allem Luxus- und Lkw-Segmente strukturell schwächere Jahre bevorstehen.



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