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Immuntherapie gegen Krebs: Neue Studien bringen Hoffnung für Patienten und Märkte

Immuntherapie gegen Krebs: Neue Studien bringen Hoffnung für Patienten und Märkte

Stehen wir am Beginn einer neuen Ära in der Krebsbehandlung? Mehrere aktuelle Studien zu Immuntherapien gegen Krebs zeigen beachtliche Fortschritte – mit direkten Implikationen für die Wirtschaft und den Aktienmarkt. Während bislang vor allem Big Pharma-Konzerne wie Merck & Co. (MSD), Bristol-Myers Squibb oder spezialisierte Biotech-Unternehmen wie BioNTech und Moderna von den Fortschritten profitieren dürften, geraten klassische Hersteller konventioneller Krebstherapien unter Druck und könnten mittelfristig Marktanteile verlieren. Anleger sollten gezielt auf Firmen setzen, die in Immun-Onkologie und personalisierte Zelltherapien investieren.

Neue klinische Studien bestätigen Durchbruch in der Immuntherapie

Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien untersuchten in einer viel beachteten präklinischen Studie eine neuartige Kombinations-Immuntherapie für Melanom und Brustkrebs. Im Fokus stand die systemische Gabe des Gewebehormons Interferon-I, verstärkt durch die lokale Anwendung von Imiquimod. Das Ergebnis: Tumorzellen starben nicht nur lokal ab, sondern das Immunsystem wurde derart aktiviert, dass sogar entfernte Metastasen bekämpft wurden. Damit könnten insbesondere oberflächlich zugängliche Tumoren, wie Haut- und Brustkrebs, künftig noch gezielter behandelt werden – mit potenziell weniger Nebenwirkungen als konventionelle Therapien.

  • Einzigartig ist die Kombination aus systemischer und lokaler Immunaktivierung. Die Forschung könnte einen neuen Therapiestandard für bestimmte Krebsarten begründen.
  • Eine offene Frage bleibt, ob der Ansatz auch für tieferliegende Tumoren angepasst werden kann, was sich allerdings erst in späteren Studien zeigen wird.

TCR-T-Zelltherapie IMA203: Personalisierte Medizin auf dem Vormarsch

Immuntherapie ist nicht gleich Immuntherapie: Die derzeit laufende SUPRAME-Studie widmet sich der Wirksamkeit der autologen TCR-T-Zelltherapie IMA203 bei fortgeschrittenem Melanom, insbesondere bei Patienten, die auf klassische Checkpoint-Inhibitoren nicht mehr ansprechen. Hierbei werden körpereigene T-Zellen gentechnisch so modifiziert, dass sie gezielt das Tumorantigen PRAME angreifen. Der Kernvorteil: IMA203 wirkt unabhängig von den gängigen Immun-Checkpoints (PD-1, CTLA-4), auf die viele ältere Immuntherapien abzielen. Dies eröffnet Chancen für widerstandsfähige Tumoren und könnte selbst nach Versagen der Standardtherapie neue Perspektiven bieten.

  • Die Therapie befindet sich in Phase-3-Prüfungen, was die reale Marktnähe unterstreicht.
  • Anleger sollten Unternehmen mit Fokus auf Zelltherapie im Auge behalten, da diese einen Technologiesprung anführen.

Neue Kombinationen: Immuntherapie Cobolimab und Pembrolizumab

Eine weitere Innovation betrifft das Kombinieren bereits zugelassener Checkpoint-Inhibitoren mit neuen Wirkstoffen. Jüngste Daten zeigen, dass Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem Melanom deutlich besser auf eine Kombination aus dem PD-1-Inhibitor Dostarlimab und dem neuen Mittel Cobolimab ansprechen als auf Monotherapie. So wurde in einer laufenden Phase-2-Studie eine schwere pathologische Reaktion bei 55,6 % der kombinierten Therapiegruppe beobachtet – im direkten Vergleich zu 33,3 % bei Dostarlimab allein.

Auch beim schwer behandelbaren Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinom stieg in einer aktuell veröffentlichten Studie die ereignisfreie Überlebenszeit bei zusätzlicher Immuntherapie mit Pembrolizumab von durchschnittlich 26,9 auf 59,7 Monate. Damit gewinnt die Immuntherapie auch in neuen Indikationen an Boden – was den Umsätzen beteiligter Unternehmen langfristig Rückenwind geben dürfte.

  • Diese Daten bestätigen, dass Kombinationstherapien für schwerere Fälle und neue Krebsarten zunehmend Standard werden.

Markttrends und wirtschaftliche Auswirkungen

Die jüngsten Erkenntnisse befeuern die Anlagetrends im Gesundheitssektor. Während die Pipeline an Immuntherapeutika wächst, geraten traditionelle Anbieter von Chemotherapie und Strahlenbehandlung stark unter Wettbewerbsdruck. Marken wie Merck & Co., Bristol-Myers Squibb und BioNTech sind gut positioniert, ebenso die auf TCR-T-Zelltherapie spezialisierten Nischenanbieter.

Allerdings sind hohe Entwicklungskosten, Zulassungsrisiken und die Notwendigkeit komplexer Produktionsstrukturen Herausforderungen, die sowohl große Pharmaunternehmen als auch innovative Biotechs stemmen müssen. Die zunehmende Personalisierung sorgt für enorme klinische und regulatorische Komplexität – dürfte aber auch zu höheren Behandlungserfolgen führen.

Handlungsempfehlungen für Investoren

  • Kaufen: Aktien von Unternehmen, die in personalisierte Zelltherapien und immunonkologische Wirkstoffe investieren (u. a. BioNTech, Moderna, Merck & Co., Bristol-Myers Squibb).
  • Abwarten/Verkaufen: Anbieter konventioneller Krebstherapien ohne innovative Pipeline, sowie Hersteller von Chemotherapie- und Radiotherapiegeräten.

Die wichtigsten wirtschaftlichen Debatten gehen zudem in Richtung Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Therapien: Wer trägt künftig die teureren Behandlungskosten, und schaffen Innovationen wirklich einen nachhaltigen Vorsprung – oder folgt eine Preisspirale? Diese Fragen werden Kapitalmärkte ebenso beschäftigen wie Gesundheitspolitiker.

  • Wenn sich Immuntherapien durchsetzen, sinken mittel- bis langfristig die Kosten für Spätfolgen und stationäre Aufenthalte: Ein Vorteil für Versicherungssysteme und die Beschäftigten im Gesundheitssektor.
  • Die Wirtschaft profitiert insgesamt von Produktivitätssteigerungen und wachsendem Export an Medizininnovationen.
  • Nachteil: Die Schere zwischen innovativen Industrieländern und Schwellenländern in der Krebstherapie könnte sich weiter öffnen.

Neue Immuntherapien gegen Krebs stehen vor dem Sprung vom Forschungslabor in die klinische Routine. Unternehmen mit breiter Pipeline und Erfahrung in der Zelltherapie sind klare Gewinner am Aktienmarkt, während Anbieter klassischer Onkologielösungen mittelfristig Marktanteile verlieren dürften. Für die Gesamtwirtschaft entsteht enormes Potenzial zur Steigerung der Lebensqualität und zur Senkung der Krankheitsfolgekosten – vorausgesetzt, die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen halten Schritt mit dem rasanten Innovationstempo. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, ob sich Innovationen im globalen Maßstab durchsetzen, oder vielmehr Nischenmärkte dominieren.

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